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Leserbrief

Der ohnmächtige Gott

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 20. Dezember 2014

Glaube

Angesichts der schreienden Ungerechtigkeit und des namenlosen Leids in der Welt sind viele versucht, zu denken – und manche sprechen es aus: Gott ist entweder nicht allmächtig und kann nicht helfen, oder er ist nicht gütig und will das Leid nicht verhindern. Die Bibel spricht im AT und NT vom «barmherzigen» Gott, der sich wie ein Vater, eine Mutter, ein Bräutigam seiner Kinder, seiner untreuen Braut erbarmt. Allerdings gibt es auch Stellen, wo Gott seinem Volk Vorwürfe macht, es «straft» – aus Liebe. Auch das tut er aus «Barmherzigkeit».
Wie sehr Gott uns liebt und sich nach unserer Gegenliebe sehnt, bewies er schon, als er uns nach seinem Bild frei erschaffen hat. Denn nur freie Menschen können lieben. Damit wir ja nicht an seiner Liebe zweifeln, kam der Allmächtige vor 2000 Jahren als hilfloses Kind zu uns. Haben Sie schon erlebt, dass harte Männer weich werden, wenn ein Säugling sie lächelnd anstrahlt? E. Shaper erzählte davon im «Christkind aus den grossen Wäldern».
Gottes Allmacht besteht in seiner entwaffnenden Ohnmacht. Weil er sein Ebenbild Mensch frei geschaffen hat, hindert er uns nicht, Böses zu tun. Er lässt uns im Innern wissen, was Gut und Böse ist – wir nennen es Gewissen – aber er lässt uns frei wählen. Tun wir das Böse, zerbrechen wir gleichsam sein Bild in uns wie eine kostbare Vase. Gottes Güte besteht darin, dass er aus unseren Scherben ein grösseres Kunstwerk schafft, wenn wir ihm die Scherben bringen – unsere Schuld bekennen, bereuen. Freuen wir uns!
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich dieses entwaffnete und entwaffnende Verweilen vor dem Kind in der Krippe!

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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