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Leserbrief

«Der Papst und seine Weltanschauung, der Sünder»

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 18. Dezember 2014

Glaube

Zeitloses geschah in Santa Marta am 19. August 2013. Aufgrund dessen Anmut gehört das Gespräch von Antonio Spadaro mit Papst Franziskus zu den Meisterwerken des Diskurses. Erste Frage: «Wer ist Jorge Mario Bergoglio?» Jorge: «Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.» Der Papst richtet sich hier nach den Homilien des Beda Venerabilis, der über die Berufung Matthäus schreibt: «Jesus sah einen Zöllner, und als er ihn liebevoll anblickte und erwählte, sagte er zu ihm: Folge mir!» Solches widerspiegelt den Wahlspruch des Papstes getreu: «Miserando atque eligendo» (Aus Barmherzigkeit erwählt). Wie Matthäus zum Apostel wurde, wird Jorge zum Papst. Der Grund? Der liebevolle Anblick, ein momentanes Ereignis. Wie die Gewissheit des Grundes in ihm entstand, verschweigt der Papst nicht: «Wenn ich nach Rom kam, habe ich immer in der Via Scrofa gewohnt. Von dort besuchte ich oft die Kirche San Luigi dei Francesi, um mir das Bild Caravaggio über Matthäus Berufung anzusehen. Die Geste Matthäus ergreift mich! Er packt das Geld, als wollte er sagen: Nein, nicht mir, nicht mir, dieses Geld ist mein Geld! Matthäus ist, was ich bin: ein Sünder, den der Herr angeschaut hat. Das habe ich gesagt, als sie mich fragten, ob ich die Wahl zum Papst annehme: Ich bin ein Sünder, der sich der Barmherzigkeit und der Duldsamkeit ohne Ende unseres Herrn Jesus Christus übergibt, so dass ich im Geist von Reue Ja sage.»
Aber was für Geld hätte Jorge, der Sünder, packen mögen, wenn am 14. März 2013 das Konzil ihn zum Papst wählte? Dies macht er erst am 7. Dezember 2014 im Interview mit Elisabetta Piqué, Vatikankorrespondentin der argentinischen Zeitung «La Nación», öffentlich: «Bevor ich zum Konklave kommen sollte, war ich voriges Jahr gerade dabei, mich pensionieren zu lassen, und hatte schon mit dem Nuntius in Buenos Aires über eine Kandidatenliste für meine Nachfolge gesprochen. Als Rentner hatte ich allerhand vor. Wöchentlich wollte ich als Beichtvater zwei oder drei Tage in Luján, einem Ort, den die Gnade Gottes begünstigt, verbringen. Plötzlich musste ich hier von null wieder anfangen». Deshalb: «Nein, nicht mir, nicht mir ...» Der 78-Jährige sah als eine Sünde an, über seinen Lebensabend, sein einziges Vermögen, nach Belieben entscheiden zu wollen. Seine Zusage zum Stuhl Petri gilt gleichermassen als Beichte. Nachdem formuliert er erst den Entschluss, wie sich er als Papst verhalten würde: «Jorge, ändere dich nicht, bleibe weiter, wie du bist, weil in deinem Alter, dich zu ändern, Selbstverdummung wäre!»

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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