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Leserbrief

Reaktion auf Leserbrief

Mario F. Broggi, St. Mamertenweg 35, Triesen | 15. Dezember 2014

Lebensraum Alpen

Ich las Hans Frommelts Leserbrief. Er verneint darin eine Existenzberechtigung des Wolfes auf den Alpen, die Bevölkerung spreche ihm eine Daseinsberechtigung weitgehend ab, und er solle im
Sinne seiner Eigenschaften wieder in seine Stammlande ausquartiert werden.
Letzteres kommt mir aus anderen Diskussionen bekannt vor, das andere kann ich aus wissenschaftlicher Sicht nicht unwidersprochen lassen. Es ist richtig, der Wolf polarisiert. Er ist der Vertreter von Wildnis, dem dunklen Wald, unkontrollierbar. Das mag Angst machen oder faszinieren.
Unseren Altvorderen am Rande ihrer Existenzmöglichkeiten machte es Angst. Rotkäppchen lässt grüs-sen. Fleischfressende Grossregu- latoren wie Bär, Luchs und Wolf haben es als Nahrungskonkurrenten des Menschen schwieriger mit der Akzeptanz. Diese Tiere reissen im Schnitt jährlich um die 250 Tiere auf den Schweizer Alpen. Dies wird entschädigt. Man spricht kaum von den 1250–2500 Schafen, die auf den Alpen durch Steinschlag, Krankheit, Absturz, Blitz umkommen, die nicht entschädigt werden.
Die mehrheitliche Ablehnung der Bevölkerung nach Frommelt stimmt nicht. Das WSL- Institut führte 1999 eine Untersuchung durch, die eine Duldung des Wolfes mit 63 Prozent bestätigt, die Ablehnung betrug 25 Prozent, spätere Umfragen waren bestätigend. Es fand inzwischen im Sinn eines Megatrends eine Umdeutung des Wolfs statt, ein Comeback des Verfemten. Das war möglich, weil der Wald mit dem Wolf zurückkam. Die Waldfläche hat in den letzten 130 Jahren in der Schweiz um die Hälfte zugenommen. Heute gelten rund 10 000 Quadratkilometer der Schweiz als «naturüberlassen». Der Wolf hat also wieder Lebensraum.
Die grösste Differenz ergibt sich derzeit in den Sichtweisen zwischen Schafhalter und ökologisch-urbaner Bevölkerung. Es ist verständlich, dass es dem Schafhalter sehr weh tut, gerissene Tiere vorzufinden.
Es soll aber auch festgehalten werden, dass wir mit der hirtenlosen Schafhaltung ein grosses ökologisches Problem mit Erosion und dem Verlust Flora einhalten, nur eine Behirtung mit Hund wäre hier die Lösung. Der Wolf ist nun auf der Alpennordseite, wir müssen uns mit ihm arrangieren und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Mario F. Broggi,
St. Mamertenweg 35,
Triesen

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