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Leserbrief

Der Papst und seine Weltanschauung

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 15. Dezember 2014

Papst Franziskus

Allzu oft, wenn der Papst im deutschen Sprachraum zitiert wird, vermitteln die Redner Falsches. Gravierender wirkt sich das Unwahre aus, weil kaum jemand sein Scheinwissen hinterfragen will. Viele willkürliche Grundannahmen sind so verwurzelt, dass deren Schlüsse im Pressemilieu Zentraleuropas als bare Münze laufen. Nach 35 Jahren vatikanischer Uniformität gegenüber Deutschland, 27 Jahren von Johannes Paul II und 8 Jahren von Benedikt XVI, dessen Amtsverzicht die deutschen Fachjournalisten der Unfreiwilligkeit verdächtigten und für einen Nationalverlust hielten, konnte die Wahl Jorge Bergoglios SJ, eines Jesuiten aus Argentinien, nur bedeuten, dass die Geschichte den Spiess gegen die etablierte Kirche umgekehrt hätte und der neue Papst das absolute Gegenteil seiner beiden Vorgänger in Taten umsetzen würde. Konspirative Phantasien aufzutakeln, ersetzt die Wahrheitsfindung, verstellt das Unwissen, erzeugt Gelaber und beflügelt das Geschreibsel.
Angesehene Journalisten liessen sich dazu versteigen, die Bruchstücke kunterbunter Erfindungen so zusammenzukleistern, dass sie unsinnige Beiträge zur Persönlichkeit und Geisteshaltung eines Papstes, den es nirgends gibt, verfassten. Dass sich solchem Schattenreich Liechtenstein vorerst nicht entziehen könnte, wäre kaum folgenträchtiger als anderswo, wenn Liechtenstein nicht im deutschen Sprachraum der einzige Staat wäre, dessen direktdemokratische Verfassung Art. 37, Abs. 2, lautete: «Die römisch- katholische Kirche ist die Landeskirche und geniesst als solche den vollen Schutz des Staates.» Da der Papst in einem sechsstündigen Gespräch mit Antonio Spadaro am 19. August 2013 dafür sorgte, seine Weltanschauung bekanntzumachen, möchte ich diese in den nächsten Leserbriefen seinen eigenen Worten getreu wiedergeben. Da der Papst am 7. Dezember ein Interview mit Elisabetta Piqué, Vatikankorrespondentin der argentinischen Zeitung «La Nación», ebenso hielt, habe ich vor, dieses mit dem ersten Gespräch anschliessend zu vergleichen, sodass die Leserschaft darüber aufgeklärt wird, wie einhellig bis Datum Sagen und Taten des Papstes übereinstimmen.
Jeder der weiteren Leserbriefe beginnt mit einer Frage, der eine Antwort des Papstes folgt. Eigene Kommentare, wenn überhaupt, füge ich am Ende jeder Antwort hinzu. Die Herausforderung liegt aber darin, sieben Stunden Gespräche in Leserbriefen zusammenzufassen, sodass sich aus jedem von diesen ein selbstständiger Sinn ergibt, alle in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden können und ihre Gesamtheit mögliche Lücken ausschliesst.

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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