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Leserbrief

Advent – wozu?

Franz Näscher, Pfarrer im Ruhestand,Kirchagässle 14, Bendern | 13. Dezember 2014

Glaube

Advent heisst Ankunft. Wir leben ihn als Warten auf Weihnachten. Warten wir aber auf die Ankunft des Retters – Gottes – der aus Liebe für uns Mensch geworden ist, uns leben und lieben gelehrt hat, für uns am Kreuz gestorben ist? In Jesus hat Gott den Menschen gefunden, wie er sich sein Ebenbild Mensch erträumt hat. Und dieser Jesus wollte bei uns bleiben; Er lebt in uns, spricht zu uns durch das Gewissen. Wie fühlt er sich bei mir? Seine Landsleute wollten ihn schon zu Beginn seines Lehrens umbringen, weil er ihnen die Wahrheit sagte. (Lk 4,18) Und heute? Wie bereite ich mich auf Sein Kommen vor?
Irgendwo las ich: «Gott geht es auch heute nicht gut mit uns.» Warum? Er sucht Mitliebende, Mitarbeitende, ja, auch Mitleidende. Gehöre ich dazu? Grosskonzerne und viele Regierungen wohl kaum. Sie schweigen ihn tot, weil ihnen Geld und Macht wichtiger sind. Und die Medien müssen ihnen gehorchen. Es wird masslos geworben, mehr zu verbrauchen, als wir brauchen und die Erde produzieren kann. Ausführlich wird berichtet über Verbrechen, Gewalt in Familie ... überfüllte Gefängnisse; aber verschwiegen, dass friedliche, wehrlose Christen zu Tausenden vertrieben, umgebracht werden. Für sie «ist kein Platz in der Herberge», wie vor 2000 Jahren in Bethlehem für Gott!
Gott geht es wirklich nicht gut mit uns. Simone Weil wusste: «(...) Die Zeit ist das Warten Gottes, der um unsere Liebe bettelt.» Auch heute! Fruchtbaren Advent und tägliche Ankunft des Herrn wünscht allen.


Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

Den Sinn der Adventszeit, die ins siebte Jahrhundert zurückgeht, wird von vielen religiösen Bräuchen verdeutlicht, etwa die Rorate-Gottesdienste am frühen Morgen, adventlich gedeutete Heiligentage: Am 4. Dezember, dem Tag der heiligen Barbara, werden Zweige geschnitten, die dann zu Weihnachten blühen sollen, und am 6. Dezember ist es vor allem der heilige Nikolaus als Vorbild der Nächstenliebe; ferner Bräuche um das Licht: Christbäume auf öffentlichen Plätzen, Weihnachtsbeleuchtungen und Schmuck an Häusern u. ä. Und schliesslich sind es vor allem die auf Franz von Assisi zurückgehenden Krippen und Krippenspiele.
Doch Kommerzialisierung und Unterhaltung haben Advent und Weihnachten längst vereinnahmt. Es genügt ein Blick in die Medien oder auf Anlässe in Unterhaltung und Sport mit der Anmerkung «Höchste Priorität: Spass haben».
Bleiben wir uns bewusst, dass Ursprung und Grund, Freude zu bereiten, Geschenke zu machen, gemütlich beieinander zu sein usw. das Kommen von Jesus in unsere Welt ist! Sein Geburtsdatum ist uns nicht bekannt; wir wissen nur, dass er um das Jahr 5 vor unserer Zeitrechnung geboren ist. Weihnachten geht auf ein heidnisches Fest zurück und hat mit Licht zu tun. Im Jahre 274 hat Kaiser Aurelian den 25. Dezember für das ganze römische Reich, also auch für unser Gebiet, als Fest des unbesiegbaren Sonnengottes eingeführt, da ab dem 25. Dezember der tägliche Sonnenschein wieder länger wird. Rund vierzig Jahre später ist die christliche Religion von Kaiser Konstantin staatlich anerkannt und zur Staatsreligion erklärt worden. Es gibt Vermutungen, dass die Christen schon vorher statt des heidnischen Festes des unbesiegbaren Sonnengottes das Kommen von Jesus als Licht der Welt gefeiert haben. Als christliches Fest wird Weihnachten im Jahre 336 urkundlich erwähnt.
Advent heisst Ankunft des Herrn. Die gegenwärtige Zeit legt nahe, dass es uns wieder mehr um Jesus und unsere freundschaftliche Beziehung zu ihm gehen muss. Der Gedanke des schlesischen Dichters Angelus Silesius (1624-1677) gilt heute noch: «Wär’ Christus tausendmal zu Betlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst doch ewiglich verloren.»


Franz Näscher, Pfarrer im Ruhestand,
Kirchagässle 14, Bendern

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