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Leserbrief

40 Jahresumsätze der Hilti AG

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 6. Dezember 2014

Systemfehler in den USA

Wie einer Wirtschafts-Meldung auf Seite 14 im «Volksblatt» vom 3. Dezember zu entnehmen ist, haben Grossbanken in den USA (und in Europa) in den Jahren von 2009 bis 2014 die gewaltige Summe von 175 Milliarden US-Dollar an Strafen und «Vergleichen» bezahlen müssen. Das entspricht grob gerechnet in etwa dem 40-fachem des aktuellen Jahresumsatzes der Hilti AG mit weltweit rund 22 000 Mitarbeitenden. (Wir lernen: Grösse ist relativ!) 175 Milliarden US-Dollar sind sogar deutlich mehr als das Gesamtvermögen, das derzeit von sämtlichen Bankinstituten in Liechtenstein betreut wird. Das wird derzeit auf – im Vergleich bescheidene – 118 Milliarden Franken beziffert («NZZ», 3. Dezember 2014).
Das muss man sich einmal gedanklich vor Augen führen. Sämtliches Geld der heimischen Banken würde nicht einmal annähernd dazu ausreichen, die in den USA in einem relativ kurzen Zeitraum für eine einzelne Branche verhängten Bussgeldbescheide zu bezahlen. (Wir lernen: Wir sind als Finanzplatz nur relativ gefährlich!)
Neben den blossen, absoluten Zahlen bemerkenswert sind noch einige weitere Tatsachen. Die Bezahlung der Bussen erfolgt in praktisch sämtlichen Fällen «ohne mit der Wimper zu zucken», das lässt Rückschlüsse auf die Gewinne zu, die mit der Manipulation von Zinssätzen, Devisen, Edelmetallen und Hypothekenanleihen erzielt worden sind und weiter zu erzielen sind. Denn, trotz der gigantischen Schadensummen kam es in den USA zu keinerlei Verurteilung von in die Betrügereien involvierten Personen; nicht einer von ihnen hatte auch nur die kassierten Boni zurückzuzahlen. Meines Wissens kam es nicht einmal zu konkreten Anklageerhebungen. Ganz offensichtlich ist der «Rechtsstaat» auch hier auf dem Rückzug und zwar in einem Tempo, das man auch als «heillose Flucht» bezeichnen könnte, wäre man leicht bösartig, was bei mir aber bekanntlich und Gott sei Dank nicht der Fall ist.
Tatsache ist, dass es in den USA mittlerweile offensichtlich einen Personenkreis gibt, der eine Gefängnisstrafe nicht mehr zu befürchten hat, sich jederzeit freikaufen kann. Der Staat wird in dieser Konstellation mehr und mehr zum Komplizen. Er nimmt sich seinen Teil der Beute. Zumal Zahlungen an die eigentlich Geschädigten, die Kunden der Banken, praktisch nicht erfolgen.
In Amerika wird dieses System, die rasant zunehmende Verflechtung von Politik und Wirtschaft, mittlerweile als «Crony Capitalism» bezeichnet und beschrieben. Zu Übersetzen wäre das in etwa mit dem Begriff «Vetternwirtschaft».
«Parallelen zu mafiösen Vereinigungen sind nur noch mit Gewalt zu übersehen!», meinte kürzlich ein Bekannter. Mir käme so etwas natürlich nie über die Lippen. Gott behüte! Schon gar nicht im Zusammenhang mit unserem besten Freund, den USA, wo uns dessen für uns zuständige, diplomatische Vertreterin doch gerade eben so charmant, geduldig und ausführlich, im «Liechtensteiner Vaterland», ein besseres Verständnis für die Thanksgiving-Traditionen vermittelt hat. Zwecks weiterführendem Studium zum Thema empfiehlt er übrigens den Film «Good Fellas» oder die Beschäftigung mit dem System der Tributzahlungen zur Römerzeit.

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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