Leserbrief

Thinktank, Spieltheorie und KVG, Teil IV

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz | 20. November 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,
aus gleicher Inspirationsquelle, Günther Fritz’ «Sapperlot» vom 27. Oktober, die mich dazu veranlasste, über den «Thinktank» zu schreiben, fanden meine drei Leserbriefe diesbezüglich einen grossen Anklang bei jüngeren Menschen, die Berufsentscheidungen treffen wollen, und bei Bekannten, die sich Sorgen um ihre Zukunft wegen der Lage Liechtensteins machen. Es wundert mich, dass alle E-Mails auf identische «Sapperlot»-Stellen, die das unmittelbar praktisches Wirken des «Thinktanks» unterstreichen, hinweisen: «Damit ist garantiert, dass (...) auch heisse Eisen angefasst werden können. Die Politik wird künftig gefordert sein, ihre alten Denkmuster über Bord zu werfen und die neuen Denkansätze unvoreingenommen zu prüfen.» Ich hätte dies vergessen! Deshalb will die Leserschaft von mir wissen: «Wie kann der Thinktank heisse Eisen wie das KVG anfassen und die Spieltheorie dafür einsetzen?» Ist dies möglich? Gewiss!
Dass MP, der Gesellschaftsminister, seinen Entwurf eines Krankenversicherungsgesetzes (kurz: KVG) vorantreibt und die Krankenkassenprämien 25 Prozent in einem Jahr erhöht, ohne die massiv negative Reaktion der Öffentlichkeit darauf zu beachten und die europaweit wütende Deflation einzuberechnen, verwundert, wenn man bedenkt, dass zu den Volksrechten unter vielen anderen gehört, ihm mit einer einfachen Referendumsinitiative, deren Vorlage die Runde macht, sein Monatsgehalt auf 5000 Franken herabzusetzen, und selbst dann, falls er nicht zurücktritt oder der Landtag ihn nicht entlässt, dieses das Volk als Gegenmassnahme dazu veranlassen müsse, dem Landtag das Misstrauen zu erklären, um ihn aufzulösen. Solches gilt als normal in einer direkten Demokratie, wie MP, der eine vollakademische Ausbildung und langjährige Erfahrung als Privatunternehmer besitzt, wohl weiss. Dabei handelt es sich um Befugnisse und Lasten, die das Volk wahrnehmen muss, um sein eigenes Dasein und die direkte Demokratie vor dem Zerfall zu retten.
Was bewegt MP jedoch gegen seine eigenen Interessen dazu, solche Ziele unerschrocken weiter zu verfolgen. Wo ist die Rationalität seines Verhaltens angesiedelt? Dass er sich irrt und das Risiko gering schätzt, lässt sich als Möglichkeit eingedenk seiner Laufbahn ausschliessen. Der Grund sollte nicht nur darin liegen können, dass MP als Mitglied oder im Auftrag einer Lobby agiert, sondern vielmehr darin, dass, wenn MP den Gesetzesentwurf und die Prämienerhöhung fallen liesse, sich daraus für ihn ein schlimmeres Unheil als sein Amtsrücktritt ergeben würde. Unzählige mögliche Drohungen beziehungsweise Ertragsverluste sind denkbar, aber ein besonderer Stellenwert kommt einer wegen deren Schadhaftigkeit für Liechtenstein zu ...
Mit freundlichen Grüssen

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur., Auring 56, Vaduz

Gesundheitswesen

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