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Leserbrief

Schnitzelwettfressen

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 14. November 2014

Wegen der engen Verbindungen und aufgrund des bestehenden Zollvertrages mit der Schweiz hält es die Regierung für unabdingbar, das Tierschutzgesetz an jenes der Eidgenossenschaft anzupassen. 23 Hände fuhren im Landtagsrund auch prompt und stolz hoch, um einen Esel davor zu bewahren, als Fotomodell herhalten zu müssen. Oder ein Pferd dagegen zu schützen, sich wegen eines Böllerschusses zu ­erschrecken. Und der Mastbulle bekommt nun auf seiner Henkersfahrt zu seinem Schlächter durch halb Europa einen Kübel Wasser gereicht. Bravo. Die Tiere werden es den wackeren Mannen und Männinen dort in dem Ziegelhaufen bestimmt danken, so viel Gutes für sie getan zu haben.
Auch werden die Pferde und Hunde, die nun besser schlafen können und der Esel, der nicht Claudia Schiffer spielen muss, jenen Leserbriefschreibern danken, die sich entrüsten, dass bei uns ein Schnitzelessen sattfinden solle. Finden doch diese beherzten Schreiber, das Ganze wäre angesichts der vielen hungernden Menschen ein Hohn und geradezu ein Frechheit. Auch nicht schlecht und bestimmt lobenswert, diese menschengerechte Einstellung.
Froh und überglücklich über das beherzte, vom Tierschutzgedanken überseelte Liechtenstein, werden auch jene Millionen Tiere in allen Mastställen dieser Welt und auch in Europa und auch in Liechtenstein sein. Sie werden sich freuen, dass das Schnitzelessen nicht stattfindet und dadurch vielleicht das eine oder andere von Eiter und Wunden übersäte, mit Antibiotika vollgepumpte Hybrid Mastschwein, in den fensterlosen, mit Kastenständen mit Fütterungsautomatik ausgerüsteten Ställen nicht zum Schlachter geschleift werden wird.
Vielleicht aber sind diese, für das Wettfressen bestimmten Schweine auch gar nicht glücklich, nicht endlich auf dem Teller landen zu dürfen und noch ein paar Tage weiter in den Käfigen und strohlosen Eisenrosten dahinvegetieren zu müssen.
Es stimmt nachdenklich, dass bei einem Schnitzelwettfressen nur daran gedacht wird, dass es wahrscheinlich in Ordnung wäre, könnten alle Menschen dieser Erde daran teilhaben und sich die Wänste bis zum Kotzen vollschlagen. Und es stimmt traurig, dass sich der Landtag damit brüstet, für ein paar Tiere die Ehre zu retten, die Millionen Mitgeschöpfe, die tagtäglich auf unseren Tellern landen und meist unter abscheulichen Bedingungen auf Schlachtreife getrimmt werden, dabei nicht einmal erwähnt. Oder hatte er schon Angst, es reiche nicht für die nächste Olma-Bratwurst, wenn er die Sau nicht mehr mästen lässt?

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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