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Leserbrief

Mit Neid hat dies nichts zu tun?

Dr. med. Marco Ospelt,Dröschistrasse 9, Triesen | 12. November 2014

Aber mit penetranter, willentlicher Unkenntnis! Was Harry Quaderer im Forumsbeitrag im «Volksblatt» vom 11. November schreibt, ist in den Kernaussagen falsch und tendenziös. Wie viele andere, die es wie er besser wissen müssten, macht er die Ärztekammer dafür verantwortlich, die schwarzen Schafe in ihren Reihen zu identifizieren und zu sanktionieren. Dabei weist der Gesetzgeber diese Aufgabe ganz eindeutig und ausschliesslich dem Krankenkassenverband zu:
Art. 19 Abs. 2b des Krankenversicherungs-Gesetzes sagt es klar: «Der Kassenverband überprüft, gestützt auf die Angaben der Kassen nach Abs. 2a, ob die Leistungserbringer den Grundsatz von Abs. 1 (nämlich die Beschränkung der Behandlung auf das erforderliche Mass) beachtet haben. Bestehen diesbezüglich Zweifel, so prüft der Kassenverband anhand der Patientendossiers und der Rechnungen des jeweiligen Leistungserbringers die Wirtschaftlichkeit der erbrachten Leistungen. Der Kassenverband wird dabei bei Bedarf von der Ärztekammer fachlich unterstützt.»
Die Rolle der Ärztekammer beschränkt sich also laut Gesetz auf die fachliche Unterstützung nach Bedarf und auf Anfrage (eine Leistung übrigens, für die der Kassenverband sicher wird bezahlen müssen, nachdem der Staatsbeitrag an die Ärztekammer weggefallen ist.) Allein der Kassenverband und nicht die Ärztekammer war ja bis vor wenigen Wochen im Besitz der Zahlen, die eine Beurteilung der Wirtschaftlichkeit in der Behandlung eines einzelnen Arztes erlauben würde. Jemanden auf Verdacht hin zu verurteilen und an den Pranger zu stellen, mag für einen Populisten angehen. Für eine ärztliche Standeskommission ist dies ganz sicher kein gangbarer Weg.
Tendenziös ist der mediale Hype um die 8000 Arbeitsstunden, die von gewissen Ärzten angeblich pro Jahr abgerechnet werden. Wir haben seit 1993 einen Arzttarif, dem eine Zeitstruktur hinterlegt ist. Schon vor – und sicher seit der Revision des Krankenversicherungsgesetzes 2003 ist der Krankenkassenverband verpflichtet, die Wirtschaftlichkeit der Behandlungen zu überprüfen. Schon in den ersten beiden Jahren wurde er von ärztlicher Seite darauf hingewiesen, dass diese Zeitstruktur einen Anhaltspunkt bieten könnte, eventuelle «Schwarze Schafe» zu identifizieren. Nichts ist in den zehn Jahren seither geschehen. Erst jetzt, im Oktober 2014, erst jetzt, wo eine Untersuchung ergeben hat, dass der liechtensteinische Arzttarif insgesamt keine höheren Vergütungen gewährt als der Tarmed im Kanton St. Gallen, erst jetzt werden diese 8000 Stunden thematisiert!
Übrigens, DU/Harry Quaderer: wenn Ihre Vertrauenswürdigkeit von einem Leserbrief abhinge, könnten Sie mir leid tun!

Dr. med. Marco Ospelt,
Dröschistrasse 9, Triesen

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