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Leserbrief

Thinktank und Zukunft

Univ.-Prof. Dr. iur. Víctor Arévalo,Auring 56, Vaduz | 7. November 2014

Der Thinktank trägt den Namen Stiftung Zukunft.li und zeigt damit die Entschlossenheit auf, dem Zeitphänomen im Raum einer Nationaleinheit frontal zu begegnen. Wer die Zukunft Liechtensteins unterstreicht und wissenschaftlich dessen Wohlergehen fördern will, spricht immerhin Gegenwart und Vergangenheit zwangsläufig so an, dass sich ihm die Frage aufzwingt: Was ist Zeit hier und jetzt?
Erst nachdem sein Meister, Edmund Husserl, die Philosophie als Wissenschaft fundierte, gelang es Martin Heidegger in «Sein & Zeit» («SZ») im Frühjahr 1927, einen der Gelehrtenwelt überzeugenden Zeitbegriff darzubieten und in solchen die zentrale Problematik allen Wissens zu begründen. Dieser gilt immer noch heute, wenn die Stringtheorie Quantenmechanik und Allgemeine Relativität zusammenfügen will. «SZ» hat bereits unverändert seit 1927 seine 19. Auflage erreicht. Martin Heidegger meint, dass die Zeit sich ursprünglich aus der Zukunft ergebe, ekstatisch auf die Menschen wirke und endlich sei.
Vergangenheit zeige sich als Zurück-auf, Gegenwart als Begegnen-lassen- von und Zukunft als Auf-sich-zu. Ein Kontinuum!
Wer Zukunft sagt, meint auch den historischen Werdegang von Erkenntnissen, die eine Freiheit des Willens erlauben, auf den Ereignisverlauf des Jetzt zu projizieren, um seinen Kurs abzuwandeln oder zu umbrechen. Wie fliessen aber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Liechtensteins ineinander, sodass eine Intervention das Wohlergehen der Gesellschaft fördert, anstatt vor dem Start an den Klippen selbstverursachter Kosten zu zerschellen? Ohne Grundlagenwissen wird die Freiheit, die das Denken an die Gestaltung einer Zukunft ermöglicht, nicht einmal geboren. Die Theorie ist Praxis.
Wie kann aber für solches Wissen der Thinktank geradestehen? Wo lernt die Jungakademikerin, die eine Forschung vorhat, das Grundsätzliche über ihr eigenes Denken, um die Geister unterscheiden zu können? Eine ganze Wissenschaft, die ihr unter die Arme greifen wird, gibt es, und ein wunderbares, allgemeinverständliches Werk liegt vor. Zunächst und zuvorderst soll die angehende Zukunftsforscherin ­diese 160 Seiten lesen: Historische Epis­temologie zur Einführung, 3. Aufl., Junius Verlag, Hamburg, 2013. Der Text ist zwar strikt wissenschaftlich, aber auch enorm unterhaltsam. Es geht darum, zu lernen, wie man alles, was über die Wissenschaften im Wandel der Zeiten gedacht wurde, zu denken hat. Die Leserin lernt eine neue Art des Denkens. Der Verfasser des Buches, Herr Prof. Dr. Hans-Jörg Rheinberger, ein Urliechtensteiner, präsidiert den wissenschaftlichen Rat des Thinktanks. Seine 200 Veröffentlichungen lassen sich in der Landesbibliothek finden.

Univ.-Prof. Dr. iur. Víctor Arévalo,
Auring 56, Vaduz

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