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Leserbrief

Liechtensteinische Ärztekammer: «Weitere Attacken von Pedrazzini auf heimisches Gesundheitswesen»

| 25. Oktober 2014

Nachfolgend veröffentlicht das «Volksblatt» eine Medienmitteilung des Vorstands der Liechtensteinischen Ärztekammer (Dr. Ruth Kranz-Candrian, Dr. Ulrike C. Garber, Dr. Christoph Ackermann, Prof. Dr. Alexander Reis) zur Reform des Krankenversicherungsgesetzes:

«Nachdem der Beweis vorliegt, dass Kosten in Liechtenstein nicht höher sind als in der Schweiz, vollzieht Minister Pedrazzini Strategiewechsel: Jetzt soll auf Kosten der Patientengesundheit eingespart werden.

Preise auf Schweizer Niveau, das war und ist der Slogan des Ministers. Unabhängig davon, dass diese Zielsetzung aufgrund des schweizerischen Föderalismus nichtssagend ist, hat nun das Ministerium mittels eigener Studie herausgefunden, dass die Preise des FL-Arzttarifs bereits jetzt auf Schweizer Niveau sind.

Das Ministerium muss nun einräumen, dass das Preisniveau des liechtensteinischen Arzttarifs nie 30 bis 40 Prozent über einem vergleichbaren Kanton gelegen ist. Ganz im Gegenteil: Mit der drastischen Laborkürzung und der von der Ärztekammer initiierten Tarifkürzung dieses Jahr um zwei Millionen Franken liegt das Preisniveau sogar auf Augenhöhe mit dem Nachbarkanton St. Gallen und damit am untersten Rand der Schweizer Tariflandschaft. Das Projekt Preise auf Schweizer Niveau gilt daher zweifellos als erfüllt, wenn nicht gar als übertroffen.

Nun attackiert der Minister die Behandlungsmengen im Gesundheitswesen: Er versucht, direkt auf das ärztliche Handeln Einfluss zu nehmen, indem sowohl die Anzahl der Behandlungen als auch die für den Patienten aufgewendete Zeit pro Betreuung weiter reduziert werden soll. Bei der Kürzung der Zeit wird auf eine nochmalige Preissenkung abgezielt. Die Ärztekammer wird die neue Forderung nach Behandlungszeiten unter Schweizer Niveau keinesfalls dulden und für die Patienten kämpfen. Wir sind bereit, Mechanismen zur Mengenregulation zu prüfen. Ein politischer Eingriff in die Behandlungszeiten überschreitet jedoch die rote Linie deutlich, hält Alexander Reis, Vorstandsmitglied der Ärztekammer, fest.
Die Reduktion der verrechneten Mengen wiederum zielt direkt auf die Behandlungsqualität am Patienten. Das ist für uns inakzeptabel, diese Einsparungsstrategie wird auf dem Rücken der Patienten ausgetragen und bringt eine Verschleppung von Erkrankungen mit sich, erklärt Ärztekammer-Präsidentin Ruth Kranz-Candrian.

Die aktuelle Diskussion um 4000 oder mehr verrechnete Arbeitsstunden zeigt auf, dass der Arzttarif nicht verstanden wurde. Tarifzeiten überlappen sich oftmals und sind nicht als aneinander gekettete, sondern als übereinander gestapelte Leistungen zu sehen. Wenn man nun die Zeiten addiert, explodiert die Minutenzahl verständlicherweise. Das ist aber weder ein Systemfehler noch eine Eigenheit des FL-Arzttarifs, Tarmed ist von der Systematik identisch aufgebaut. Wenn der Mechaniker die Reifen wechselt, während er gleichzeitig das Öl ablässt, verrechnet er auch zwei parallel erbrachte Leistungen, die einzeln nacheinander doppelt so lange dauern würden. Ähnlich sind die Überlappungen im Arzttarif zu verstehen.
Schlussendlich zeigen die neuesten Entwicklungen, dass es Minister Pedrazzini nie um vergleichbare Preise, tiefere Kosten oder den Prämienzahler an sich ging, sondern um einen kopflosen Feldzug gegen die Ärzteschaft. Im Frühjahr wurde dem Landtag eingetrichtert, dass die Arztkosten um 14 Prozent steigen und das System zu implodieren droht, wenn der Regierung nicht mehr Tarifkompetenzen einge-räumt werden. Die Ärztekammer hat damals vor einer statistischen Spitze gewarnt, die Abgeordneten waren dafür nicht empfänglich und schenkten der Regierung Glauben und mehr Steuerungsrechte. Nun sind aus den +14 Prozent mit Stand August -3.8 Prozent geworden – und das wohlgemerkt vor der Tarifkür-zung. Das Schreckgespenst der Kostenexplosion trägt also ein Minus vor sich her. Die Ärztekammer hat es geahnt, die Politik wollte es nicht glauben. Hoffen wir, dass sie daraus für die Bewertung der vorliegenden KVG-Revision etwas gelernt hat, so Kranz-Candrian.»

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