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Leserbrief

Gestiegene Lebenserwartung?

Ulrich Hoch,Grüschaweg 11, Triesenberg | 22. Oktober 2014

Beatrice Schlag thematisiert in der Weltwoche die durchschnittlich gestiegene Lebenserwartung der Menschen. Das Magazin «The Atlantic» beschäftigte sich vor Wochen mit einer Statistik, die besagt, dass in den USA im Jahre 1998 28 Prozent der Amerikaner über 80 gesundheitlich ernsthaft eingeschränkt sind. Acht Jahre später waren es bereits 42 Prozent der 80-Jährigen, bei den Frauen sogar über die Hälfte.
Die Medizin hat in den vergangenen 50 Jahren grosse Fortschritte erzielt. Im Bereich des Alterns bleibt der Erfolg aber dürftig. Die Medizin verlangsamte in den vergangenen 50 Jahren weniger den Alterungsprozess als vielmehr den Sterbeprozess. Picasso, Trenker oder Schmidts sind genetisch bedingte Ausnahmen.
Der 57-jährige kerngesunde US-Arzt Ezekiel Emanuel schockiert sein Umfeld mit seinem Plan, nicht älter als 75 zu werden. Er will keinen Selbstmord im Jahre 2032 begehen, aber sich nicht mehr in medizinische Behandlung begeben. Emanuel will bereits in den nächsten Jahren Darmspiegelungen oder Krebstests zur Vorsorge ablehnen und nach 75 keinem Eingriff oder keiner Untersuchung mehr zustimmen, sondern lediglich schmerzlindernde Mittel akzeptieren.
Sein Hauptargument lautet: Menschen werden älter, aber trotz medizinischen Fortschritts immer gebrechlicher. Jeder, der ein Familienmitglied an Alzheimer oder nach einem Schlaganfall verloren hat, weiss über die Leidensphasen dieser Menschen Bescheid. Emanuel möchte als kreativer Geist seinen Hinterbliebenen in Erinnerung bleiben. Der Bioethiker ist kein Ideologe. Er will Leute zum Nachdenken anregen, nicht sie von seinem Modell überzeugen. Er behält sich auch ausdrücklich vor, ein Plädoyer für ein sehr viel längeres Leben zu machen, sollte er im Jahre 2032 zu neuen Überzeugungen gelangen. Das Gelaber über die gestiegene durchschnittliche Lebenserwartung muss stark relativiert werden und auch in den Bereich der demografischen Entwicklung (Rentenbezug etc.) miteinbezogen werden. Entscheidend dürfte nicht die vielgepriesene Lebenserwartung sein, sondern die Kreativität eines Menschen, die mit Lebensqualität verbunden ist.

Ulrich Hoch,
Grüschaweg 11, Triesenberg

Gesundheitswesen

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