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Leserbrief

Antwort auf den Leserbrief von Jo Schädler, Bendern

Michaël Gnehm,BGE-Rheintal, Buchs | 15. Januar 2016

Grundeinkommen

Es freut uns sehr, Herr Schädler, dass Sie sich bereits heute über die möglichen Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens auf Ihre Alltagsgestaltung Gedanken machen. Genau solche Gedanken möchte die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens anregen. Allerdings bezweifeln wir, dass Sie sich so lange in den «Federn» halten können, bis sich die ersten Fettpölsterchen auf Ihren Rippen zeigen, denn der Mensch ist im Kern ein tätiges Wesen, das sinn­erfüllt bewirken, das seinen Beitrag am Gemeinwohl leisten, das sich dort einbringen möchte, wo es seine Stärken, seine Ambitionen wahrnimmt. Das lässt sich übrigens auch Ihren Zeilen entnehmen, klamüsern Sie doch über die Möglichkeit, sich nach getanem Müssiggang der «Produktion von Dankbarkeit» anzunehmen. Diese jedoch an den Fabriktoren loszuwerden, wäre eine Verschwendung Ihrer guten Absicht, da es dort im Zuge zunehmender Automatisierung von Arbeitsabläufen immer weniger Hände zu schütteln gibt. Die Roboter benötigen keinen Händedruck, sie brauchen keine Freizeit, sie erhalten keinen Lohn und sie werden nicht krank; für ein Produktionsunternehmen eine attraktive Sache – der perfekte Arbeiter. Jetzt kann man natürlich darüber schimpfen, dass diese hirnlosen Maschinen uns die Arbeit wegnehmen. Aber was sind das für Arbeiten, die sie uns streitig machen? Oft nicht unbedingt jene, die Sinn vermitteln, die zufrieden stimmen, die glücklich machen und die angemessen entlohnt werden. Roboter stellen nur so lange eine Bedrohung dar, wie die Existenzsicherung noch von einer Erwerbsarbeit abhängig ist. Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens würde die technischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte rechtfertigen, sie würde die Menschen von jener, heutzutage oft chronisch vorliegenden Angst befreien, die mit einem möglichen Stellenverlust verbunden ist und sie würde dadurch – so darf man mutmassen – ein immenses Potential an Kreativität, Innovation und Menschlichkeit hervorbringen.
Wir sehen das ähnlich wie Sie, Herr Schädler, wir scheinen da gesellschaftlich wirklich in einem Hamsterrad gefangen, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Vielleicht liegt das daran, dass wir die Lösungen für die anliegenden sozial- und wirtschaftspolitischen Probleme innerhalb des bestehenden Systems suchen und uns nicht wagen, über dieses hinaus zu denken. Gerade aber das macht die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und schafft dadurch neue Perspektiven.
Sie haben recht, Herr Schädler, das bedingungslose Grundeinkommen wird den Hunger auf der Welt nicht stillen – ein Thema, das Ihnen offenbar sehr am Herzen liegt. Das bedingungslose Grundeinkommen setzt aber die Menschen vom Zwang frei, einer existenzsichernden Erwerbsarbeit nachgehen zu müssen. In diesen, von der Sorge um ihre Existenz befreiten Menschen liegt womöglich jenes Potenzial, das nötig ist, um auch solche globalen Probleme bzw. Aufgaben anzugehen, wie jenes, das Sie als Beispiel verwendet haben.

Michaël Gnehm,
BGE-Rheintal, Buchs

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