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Leserbrief

Warum positive Entwicklungen stoppen?

Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) | 2. Oktober 2014

Die jüngsten Mobilitätserhebungen aus Feldkirch zeigen einen positiven Trend zur häufigeren ÖV- und Radnutzung. Bessere Verbindungen und Takte sowie günstige Angebote haben den öffentlichen Verkehr gestärkt und den motorisierten Individualverkehr reduziert. Mit weiteren Verbesserungen, beispielsweise durch die Umsetzung des Projektes S-Bahn «FL-A-CH», werden noch mehr Menschen ihre Arbeitsplätze und Privatziele bequem und ohne Auto erreichen können.
Feldkirchs Bürgermeister Berchtold hält dennoch daran fest, dass nur durch den Bau des Stadttunnels eine Entlastung der Bärenkreuzung erreicht werden könne. Sehr kurzfristig mag der Tunnel an besagter Kreuzung sogar tatsächlich Entlastung bringen. Alle, die Feldkirch nur durchqueren wollen, ohne von Ampeln aufgehalten zu werden, werden das neue Angebot noch so gern nutzen. So kommen Frau und Mann wieder motorisiert zügig zur Arbeit und das sogar aus dem Walgau! Dass der Stadttunnel die Bärenkreuzung auch dauerhaft entlasten wird, konnte bisher in keiner Studie nachgewiesen werden. Alle Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass durch den Bau besserer Strassen Verkehrsbelastungen nicht vermindert werden. Das wäre ja so, als ob man durch die Verbesserung eines Produktes weniger Käufer erreichen möchte. Sowohl der alpenquerende, als auch der inneralpine Verkehr werden durch den Bau des Stadttunnels vereinfacht. Es entsteht eine Hauptverbindung zwischen der österreichischen und der Schweizer Autobahn, die den Verkehr unter der Stadt Feldkirch hindurch direkt an die liechtensteinische Grenze bringt. Dass das Liechtensteiner Unterland dadurch wesentlich mehr Verkehr aufnehmen muss mit allen Konsequenzen, wie Staus, schlechtere Luft und mehr Lärm, kümmert die Befürworter offensichtlich wenig.
Durch die Unterzeichnung der Protokolle der Alpenkonvention, eines Staatsvertrages, haben sich jedoch die Alpenländer dazu verpflichtet, eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete und aufeinander abgestimmte Umwelt- und Verkehrspolitik zu entwickeln. Würde im Sinne der Alpenkonvention gehandelt, müsste hier unbedingt der öffentliche Verkehr gestärkt werden, da nur so das ganze regionale Verkehrsnetz besser koordiniert und die Intermodalität begünstigt werden kann.
Gemäss Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention muss auch die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmen. Wie dieser Nachweis erbracht wird, bleibt spannend: mehrere Hundert Millionen Euro sollen ausgegeben werden für ein Tunnelsystem mit zehnjähriger Bauzeit, dessen langfristiger Erfolg für die Stadt Feldkirch nicht belegt ist.

Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU)

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