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Leserbrief

Verantwortungs- losigkeit wird zum System

VGM – Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk, www.telefonie.li | 1. Oktober 2014

Die negativen gesundheitlichen Folgen von Hochfrequenzstrahlung jedweder Couleur sind mittlerweile allgemein bekannt und können nicht mehr dauerhaft erfolgreich bestritten werden. Dieser Umstand lässt sich deutlich an den Vorsichtsmassnahmen der Mobilfunkindustrie sowie am Verhalten der Versicherungsunternehmen erkennen. Letztere zählen den Mobilfunk gar zum exklusiven Trio der weltweit nicht versicherbaren Geschäftsfelder, gemeinsam mit der Atomenergie und der Gentechnik in der Landwirtschaft.
Wenn schon Versicherungskonzerne den zu erwartenden Schaden wesentlich höher einschätzen als den erzielbaren Gewinn, sollte man eigentlich hellhörig werden. Die Mobilfunkindustrie hat sich aus exakt diesem Grunde ein Handlungsportfolio zurechtgelegt. So werden jene Geschäftsfelder, die mit Netzaufbau und technischem Betrieb betraut sind, ganz einfach in eigene Gesellschaften mit beschränkter Haftung ausgelagert – wodurch potenzielle Schadensersatzansprüche auf die Höhe der Mindesteinlage gesenkt werden. Sehr beliebt ist auch die stillschweigende Haftungsübertragung. Wer weiss denn schon, dass der mit mehreren «Tausendern» jährlich dotierte Vertrag zur Errichtung einer Sendestation auf dem eigenen Grundstück auch einen Übergang der Haftung für eventuelle Schäden beinhaltet, da die Gefährdung ja dann vom eigenen Grundstück ausgeht?
Bekanntermassen bieten Grenzwerte keinerlei Schutz. Gäbe es solche «sicheren» Grenzwerte, müssten diese weltweit einheitlich oder zumindest ähnlich sein. Doch während in der Schweiz und in Liechtenstein noch vergleichsweise moderate 45 000 µW/m² gelten, sind in Deutschland bereits 9–10 Millionen µW/m² als unbedenklich eingestuft. Österreich geht noch weiter und verzichtet gänzlich auf eine gesetzliche Regelung und begnügt sich mit dem Wert von 9 Millionen µW/m² als rechtlich unverbindliche Empfehlung des Rats der Europäischen Union vom 12. Juni 1999 sowie mit dem Wert von 10 Millionen µW/m² als eine rechtlich unverbindliche Vornorm des Vereins «Österreichisches Normungsinstitut».
Leider sind auch die verpflichtenden Studien zur elektromagnetischen Verträglichkeit vor der Markteinführung von Mobilfunkgeräten vollkommen bedeutungslos. Was sagen Messwerte von ein, drei und zehn Metern Entfernung schon aus über gesundheitliche Risiken eines Gerätes, das üblicherweise direkt am Körper getragen wird?
Wie in vielen anderen Bereichen (etwa auch in der Impfdebatte) scheitert die wissenschaftliche Beweisführung bereits an der mangelnden Verfügbarkeit einer unbeeinträchtigten Kontrollgruppe – von der Vernachlässigung kumulativer Effekte sowie von Wechselwirkungen mit anderen Faktoren wie z. B. Umweltgiften mal ganz abgesehen.
Wir befinden uns daher inmitten eines weltweiten Live-Experimentes ohne Reset-Knopf, in welchem die Verantwortung weitestgehend sozialisiert wurde, womit Haftung vermieden werden kann – vergleichbar dem Nukleartechnik- und dem Gentechnik-Experiment.

VGM – Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk, www.telefonie.li

Verkehrspolitik

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