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Leserbrief

Profit vor Patient?

Agnes Dentsch,Poliweg 12, Ruggell | 1. Juli 2014

Die Tendenz zur Gewinnmaximierung im Gesundheitswesen ist beängstigend! Nachdem das Volk den Neubau des Landesspitals für 80 Millionen Franken abgelehnt hat, weil sie kein Luxusspital wollten, haben nun die Belegärzte beschlossen, doch ein Luxusspital zu bauen. Laut Medienberichten wird mit der Eröffnung der neuen Privatklinik der Gesundheitstourismus gefördert. Werden jetzt kranke Menschen zu Touristen? Ist eine Klinik ein Hotel? Sind kranke Menschen Kunden? Sind Patienten ein Wirtschaftsfaktor – viele Operationen bringen viel Umsatz. Die Betten müssen «gefüllt» werden. Fallzahlen, sprich Patienten, müssen maximiert werden. Ein Geschäft mit Kranken, Alten und Sterbenden.
Die Ärzte in der neuen Privatklinik bleiben nach wie vor Belegärzte des Landesspitals. Geben diese Ärzte ihre Arbeit in der Praxis auf?
Konkurrenzdenken. Geht es darum, wer mehr Patienten «erwerben» oder «abwerben» kann? Ist ja grotesk. Wann haben diese Ärzte genügend Zeit, sich um die Patienten zu kümmern? Wo sind diese Ärzte, wenn man sie braucht: in der Privatklinik, im Landesspital oder in der Praxis? Kleine Kliniken mit viel Angebot sind Risikofaktoren für die Patienten.
Mit wunderbaren dreidimensionalen Bildern werden Knie- und Hüftgelenke verkauft. Fallzahlen werden steigen. Die Aufklärung über Risiken ist sehr mangelhaft. Patienten werden untersucht und untersucht. Doppeluntersuchungen sind normal, die Risiken werden verharmlost. Medikamente werden verordnet, ohne Aufklärung über Wirkung, Nebenwirkung und schon gar nicht über Wechselwirkung. Folgeerkrankungen beziehungsweise chronische Krankheiten werden so programmiert.
Wer zahlt denn die Folgekosten? Was wird uns Prämien- und Steuerzahler dieser Luxus kosten? Wer kümmert sich um das Leiden der Patienten nach einer verpfuschten Operation, Folgeschäden durch Medikamentenmissbrauch, Verlust von Lebensqualität, Kündigung des Arbeitsplatzes und deren Folge?
Fazit: Es geht um Gewinn, oder wie es so schön heisst: Gewinnmaximierung seitens der Ärzteschaft. Patienten werden zur Ware.
Es ist dringend notwendig, dass Patienten wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen, aber nur ein aufgeklärter Patient kann Eigenverantwortung übernehmen. Wenn Patienten zufrieden und wieder gesund sind dürfen sie sich glücklich schätzen, sind dann allerdings keine Patienten mehr.
Ein passender Beitrag hierzu: http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/

Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

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