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Leserbrief

Hiob kommt nicht zur Ruhe

Jo Schädler,Badäl 134, Gamprin | 10. Juni 2014

Nach der «Win-Win»-Abstimmung wartet auf dem Sorgenteller auch schon der nächste Gang – aber immer noch Vorspeise. Die AHV kann nicht mehr länger verhehlen, dass auch sie wird kräftig sanieren müssen und dass ein paar 100 Millionen wohl irgendwie fehlen werden. Und schon heute wird der Weg sicherheitshalber schon verbal, aber bestimmt geebnet und die Stossrichtung kräftig markiert. Man müsse ins Auge fassen, die Leute länger arbeiten zu lassen, die Beiträge zu erhöhen, an Schweizer Modelle zu denken, die Renten zu kürzen und den 13. sowieso zu streichen.
AHV und die sozialen Ausgaben sind der weitaus grösste Posten auf unserer Landesrechnung, gefolgt von den Gehältern der Staatsdiener. In den USA sind es die militärischen Ausgaben für die Verteidigung gegen die Feinde von aussen. Unser Glück also, dass wir solche nicht auch noch haben.
Sehr viel Geld und leider immer mehr, das die AHV als Rente ausschüttet, geht durch unsere Grenzgänger und jene, die im Alter wieder in ihre Heimatländer zurückkehren ins Ausland, muss aber von dem hier noch Tätigen erarbeitet werden. Es fehlt also in zunehmendem Masse in unserem Geldkreislauf, sprich in der Wirtschaft. Viele betagte Ausländer, welche hier im Lande leben und nicht wieder nach Hause gehen, bleiben hier, weil sie hier medizinisch und sozial besser versorgt werden wie dort, von wo sie herstammen. Und den hier Tätigen können wir immer weniger wertschöpfende Arbeit anbieten und sind, damit das System nicht zusammenbricht darauf angewiesen, jeder Zeinenmacherei und jeder Herdöpfelsackweberei Einlass zu gewähren, wenn sie wenigstens ein paar Arbeitsplätze verspricht. Hiob, der Überbinger schlechter Nachrichten, wird bei uns noch kräftig Überstunden machen müssen.
Aber das AHV-Problem wird man nicht einfach wie das CO2 vom Tisch fegen können. Oder vielleicht doch? Gespannt darf man jetzt schon sein, ob sich Regierung und Landtag und alle Staatsangestellten, vorab alle Amtsleiter mit der gleichen energischen Vehemenz und Inbrunst für jene, für welche die AHV-Rente oft das einzige Einkommen ist, einsetzen werden, wie sie das für die Pensionen der Ihren taten. Und man darf gespannt sein, ob wir dann wieder Sprüche von ehemaligen Staatsbediensteten hören wie: Der Staat muss einfach ausfinanzieren. Und dass der Sprücheklopfer dann einfach schnell einen passenden Halbkanton als Beweis ausfindig machen muss, ist nicht mehr notwendig. Denn diesmal wird grad die ganze Schweiz als Vorbild hergenommen.

Jo Schädler,
Badäl 134, Gamprin

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