Leserbrief

Kita macht reich!

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 14. Januar 2016

Wer sich einmal ein klassisches, politisches Verwirrspiel und Desinformation vor Augen führen will, findet in den medialen und offiziellen Mitteilungen und Kommentaren zur aktuellen Diskussion um die Kita-Subventionierung reichlich Anschauungsmaterial. So wird zum Beispiel gerade eben das Wort «Subventionierung» tunlichst vermieden. Man spricht von einer «Finanzierung». Das klingt irgendwie «neutraler»; mehr nach Geschäft und Investition und weniger nach dem, was es im Grunde eigentlich ist, nämlich Umverteilung. Wo man sonst von einer «Diskriminierung» sprechen würde, wären andere, «Private» die vermeintlichen Übeltäter, verwendet man den Begriff «Ungleichbehandlung», die man aber gleichzeitig selbstverständlich, vehement und kategorisch in Abrede stellt. Selbst wenn sie noch so offensichtlich ist. Dann verkündet man zum Beispiel die Botschaft, dass «für die Finanzierung der Kita-Plätze nicht mehr Steuergeld aufgewendet werden soll als bisher (…). Das Geld für zusätzliche Plätze soll aus der Familienausgleichskasse (FAK) kommen (…).» Als ob das eine Rolle spielen würde. Die Beiträge an die FAK sind schlussendlich genauso Abgaben wie die Steuern. Leistungen, die von der Bevölkerung zuerst erarbeitet und dann an den Staat abgeliefert werden müssen. Wenn man dann noch den Hinweis «einbaut», dass in die FAK «ausschliesslich die Arbeitgeber einzahlen», wirkt das fast ein wenig berechnend. «Keine Angst, ein anderer zahlt!» Das soll doch nicht etwa die, zudem noch falsche Botschaft an die breite Bevölkerung sein? Wo bliebe für den Fall die Solidarität, die ansonsten permanent beschworen und eingefordert wird? Interessant im Zusammenhang mit der FAK ist auch, dass wir auf der AHV-Internet-Seite («Wir denken in Generationen») das Folgende erfahren: «Die FAK richtet folgende Leistungen aus: Kinderzulagen, Geburtszulagen, Alleinerziehendenzulagen.» Kein Wort von Kita-Subventionen. Dann ist da noch die 50er-Note, die die Kita-Kinder-Eltern selber bezahlen beziehungsweise der Hinweis, dass sich «Eltern, welche keinen Kita-Platz in Anspruch nehmen (…) diese Ausgabe sparen». Ehrlich gesagt, hat es einen Moment gedauert, bis ich die Genialität dieses Gedankens erkannt habe. Mittlerweile hat sich mir aber das ungeheuer tröstende in dieser Botschaft restlos erschlossen. Mangels des nötigen Kleingeldes habe ich zum Beispiel schon vor längerer Zeit beschlossen, keinen Ferrari in Anspruch zu nehmen. Diese Ausgabe hätte ich somit gespart. Nur so wird man reich, oder!?

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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