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Leserbrief

S-Bahn FL-A-CH mit 4000 Pendlern täglich?

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 3. Juni 2014

In einem Leserbrief von Herrn H. Lageder vom Samstag letzter Woche zur geplanten S-Bahn FL-A-CH wird von 4000 Fahrgästen und sogar von 4000 Pendlern täglich gesprochen. Wie realistisch sind diese doch sehr hoch gegriffenen Zahlen?
Gegenwärtig verkehren zu den Stosszeiten insgesamt 9 Pendlerzüge zwischen Feldkirch und Buchs, die von ca. 250–300 Personen genutzt werden (LieMobil 2012). Mit der geplanten S-Bahn FL-A-CH soll dieses Angebot auf den ganzen Tag ausgeweitet und in einen Halbstundentakt verdichtet werden. In den Planungsunterlagen von FL-A-CH wird davon ausgegangen, dass sich damit die Pendlerzahlen auf 1200–1500 resp. Fahrgastzahlen auf 2500–3000 erhöhen werden, was einer rund 10-fachen Erhöhung zu heute gleichkommen würde. Wie diese äusserst optimistische Abschätzung und die noch höheren Zahlen von Herrn Lageder zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen, gibt es doch bereits heute das LieMobil-Busangebot im Halbstundentakt auf derselben Strecke. Gleichzeitig soll die neue S-Bahn aber zu keiner Mehrbelastung des Staatshaushalts führen, obwohl der jährliche Betriebskostenanteil für Liechtenstein 1,5 bis 2 Millionen Franken betragen wird. Bei einem heutigen Selbstfinanzierungsgrad der LieMobil im Bereich von 25 Prozent liegen die direkten Einnahmen bei rund 5 Millionen Franken. Mit der Einführung der S-Bahn müssten demnach auf dem gesamten LieMobil-Netz rund 30 bis 40 Prozent mehr Fahrgäste befördert werden, um so zu 1,5 bis 2 Millionen Franken direkten Mehreinnahmen zu kommen. Für den Abschnitt Buchs-Feldkirch, der rund 12 Prozent des Netzes ausmacht (ohne Eschen-Mauren), müssten die Fahrgastzahlen des öffentlichen Verkehrs (Bus + Bahn) mindestens vervierfacht werden. Ob dies mit einem Ausbau der S-Bahn auf einen Halbstundentakt neben des schon bestehenden Busangebots erreicht werden kann, darf hinterfragt werden. Oder kann diese Kostenneutralität nur durch wesentliche Kürzungen des Busangebots der Linien 11 und 13 von Schaan durch Eschen und Mauren nach Feldkirch erreicht werden, die dann durch Ortsbusse (finanziert von den Gemeinden) mit Anbindung an die S-Bahnhaltestellen Nendeln und Schaanwald ersetzt würden? Dann müsste für eine Fahrt nach Vaduz erst auf die S-Bahn nach Schaan und dann auf den Linienbus nach Vaduz umgestiegen werden. Ob dies der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs förderlich wäre, ist mehr als fraglich. Da die S-Bahn als solche kaum generelle Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr rechtfertigen kann, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit substanziellen Mehrkosten beim Staat zu rechnen. Es fragt sich, ob mit gezieltem Ausbau der bestehenden Regionalbahn mit auf das Unumgängliche reduzierten Anpassungen der Infrastruktur («FL-A-CH light») für einen Bruchteil der Kosten ein auf die tatsächliche Nachfrage angepassteres Angebot geschaffen werden könnte.

Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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