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Leserbrief

Darlehenszins ist keine Sanierungsfalle!

Willi Frommelt,Im Gafos 23, Schaan | 2. Juni 2014

«Der Darlehenszins der Win-Win-Initiativen führt zur nächsten Sanierung.» Diese Behauptung wird nicht wahrer, indem sie dauernd wiederholt wird. Die Kommunikationsstrategie der Regierung ist durchschaubar: Sie will den Stimmberechtigten Angst machen, dass wegen des Darlehenszinses eine weitere Sanierung ansteht und die «Win-Win»-Initiativen alles noch teurer machen.
Am praktischen Beispiel einer bekannten Vorsorgeeinrichtung, bei der viele liechtensteinische Firmen versichert sind, kann ich die Argumente der Initiativgegner einfach widerlegen: Diese Pensionskasse ist im Jahr 2008 wegen der enormen Wertschwankungen an den Finanzmärkten auf rund 83 Prozent Deckungsgrad abgesunken und musste Sanierungsmassnahmen vorschlagen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) war einverstanden, dass der vom Bundesrat festgelegte BVG-Mindestzinssatz angewendet wird, bis die Unterdeckung ausfinanziert ist. Die Pensionskasse konnte ihre Anlagestrategie beibehalten, musste keine Zusatzbeiträge einfordern und hat trotz der schwierigen Situation in den Jahren 2009, 2010 und 2011 je 2 Prozent Zins auf die Altersguthaben ausgeschüttet, im 2012 und 2013 je 1,5 Prozent. Heute beträgt ihr Deckungsgrad bereits wieder mehr als 105 Prozent.
Die neue Stiftung Personalvorsorge Liechtenstein (SPL) startet mit einem Anlagevermögen von rund 1000 Millionen Franken, das heisst, ihre Verpflichtungen sind zu 100 Prozent ausfinanziert. Aus buchhalterischen Gründen muss das Darlehen von 100 Millionen Franken als fremde Mittel geführt werden. Deshalb liegt der rechnerische Deckungsrad bei 90 Prozent. Sollte die SPL im ersten Jahr keinen Kapitalertrag erwirtschaften, muss sie den Darlehenszins von 2,75 Millionen Franken aus dem Vermögen bezahlen. Dieser Betrag reduziert die eigenen Mittel von 900 Millionen Franken auf 897,25 Millionen Franken. Somit liegt der Deckungsgrad über 89 Prozent. Aufgrund einer solchen Ausgangslage wird die FMA vom Arbeitgeber (Staat) und von den Arbeitnehmern sicher keine Beitragserhöhung verlangen.
Die Regierung und die Initiativgegner setzen auf Behauptungen und Emotionen und nicht auf den Sachverhalt. Ich hoffe sehr, dass sich die Stimmberechtigten dadurch nicht verunsichern lassen und mit zweimal Ja die «Win-Win»-Initiativen annehmen.

Willi Frommelt,
Im Gafos 23, Schaan

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