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Leserbrief

Maja, zeig uns deine Welt

Amon Marxer, Murasträssle 4, Balzers | 30. Mai 2014

Wieder ein Tier im Titel. Aber wenn mir Leute Geschichten aus ihrer Parallelwelt erzählen, muss ich eben immer ans Lied von der Biene Maja denken. Eigentlich wollte ich diese Woche mit der Lektüre der BuAs beginnen, um mir eine Meinung zum Thema PVS zu bilden. Nun haben mich aber zwei Leserbriefe lamentierender Lehrer abgelenkt. Darin heisst es, unser Staat müsse bei der Rekrutierung von Lehrpersonal aus dem Ausland konkurrenzfähig bleiben und dass die «Win-Win»-Initiativen diese Konkurrenzfähigkeit fundamental gefährden würden. Unsere armen Kinderlein würden in Zukunft wohl nur noch von Lehrern unterrichtet, die in der Schweiz und Österreich keinen Job finden könnten. In einem zweiten Leserbrief wird gar indirekt gedroht, man werde den Einsatz auf das Minimum reduzieren und die Augen nach einer alternativen Arbeitsstelle offenhalten. Nun ergibt eine fünfsekündige Google-Recherche, dass der Lohn bei Lehrern aller Stufen mit Berufserfahrung in Liechtenstein bei 120 710 liegt (jeweils Durchschnitt in Franken bei elf Jahren Berufserfahrung; Quelle: Tagesanzeiger online 6.7.2013). Kindergärtner verdienen 95 737, Primarlehrer 105 469, Handarbeitslehrer auf Primarstufe 104 664, Sekundarlehrer 123 431 und Gymnasiallehrer der Oberstufe 144 556. In jeder dieser Kategorien sind wir im Vergleich zu deutschschweizer Kantonen unter den besten fünf. Ein Gymnasiallehrer mit Berufserfahrung verdient gar nur im Kanton Zug mehr. In Deutschland kommt ein Lehrer übrigens nach 15 Dienstjahren auf circa 50 000 in der Primarschule, 55 000 Euro im Sekundarbereich I und 60 000 Euro im Sekundarbereich II – bei einem Mehrfachen der Steuerbelastung, versteht sich (Quelle: Spiegel Online 27.3.2013).
Wenn wir bei dieser Ausgangslage Probleme haben, gute Lehrer im Ausland zu finden, dann ist es an der Zeit, den Rekrutierungsprozess mit etwas Marktwirtschaft anzureichern. Denn die einzigen Lehrer, die ohne Doktortitel oder Zusatzstudium in der Privatwirtschaft realistischerweise mehr verdienen könnten, sind diejenigen, die Mathematik oder Physik studiert haben – also ein paar wenige Lehrer im Sekundar- und Gymnasialbereich. Ein Studium der Germanistik, der modernen Sprachen oder etwa der Geschichte ist im Vergleich dazu ein Kindergeburtstag. Entsprechend übersteigt das Angebot an solchen Studenten die Nachfrage. Wer sein Hobby studiert hat, also etwa Musik oder Kunst, dessen Lohn könnte ebenfalls zugunsten schwerer zu findender Lehrer gekürzt werden, denn in die Privatwirtschaft wird keiner dieser Leute abwandern.
Ausserdem, wenn man Schülern am Gymnasium sagen würde, was Lehrer verdienen und was sie in der Privatwirtschaft zu erwarten haben, dann gäbe es noch viel mehr Lehrer – ich wäre dann übrigens auch einer und würde diesen Leserbrief nicht schreiben. Wer sich als Lehrer benachteiligt fühlt, der lebt schon zu lange im Tri-tra-tralla-Land seiner Parallelwelt. Ich habe Verständnis für Unmut, aber nicht für Drohungen. Verwechseln Sie mal unkündbar nicht mit unersetzlich.

Amon Marxer, Murasträssle 4, Balzers

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