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Leserbrief

Der Landtagsfall

Jo. Schädler,Badäl 134, Gamprin | 27. Mai 2014

Was auf der einen Seite wie das Glück auf Erden aussieht und als lebhafter Zeuge zurückgewonnener Natur erscheint, birgt bei näherer Betrachtung doch erhebliche Gefahren für unser kleines Land in sich. Die Rede ist vom Biber, der sich bei uns wieder sauwohl fühlt, wie man an den vielen angenagten Bäumen ersehen kann.
Besen, Rechen oder Schaufelstiele sollten aus gut getrocknetem Holze, vorzugsweise jenem der Esche hergestellt werden. Ist der Stiel des Werkzeuges, zum Beispiel dem eines Besens noch nicht ganz trocken, besteht erhebliche Gefahr, dass bei längeren Ruhezeiten er wieder aus- und Wurzeln schlägt. Fegt man mit ihm zum Beispiel ein nicht enden wollendes Strassenstück, kann es vorkommen, dass in einer längeren Pause, oder aber bei einem ausgedehnten Innehalten an ein und demselben Orte, ohne dass ein anstrengender Grund vorliegt, der Besenstiel Wurzeln schlägt und zu wachsen beginnt. Dann, wenn er wieder ein stattlicher Baum geworden ist, kann es passieren, dass sich so ein Bieber seiner annimmt, ihn zu Falle bringt und ihn so in dem Rhythmus vom ewigen Werden und Sterben überführt. In diesem Fall spricht man vom Lebendfall.
Wenn die Bewegungen des Besens über Gebühr und unvernünftig langsam gestaltet werden, ist es aber auch möglich, dass der Biber den Besenstiel sogar während der Arbeitszeit durchnagt. Hierbei kann die Natur nicht zum Zuge kommen, da die eingenommene Zeit der Ruhe und Einkehr für den Besen doch nicht zum Schlagen von Wurzeln ausreichte, wohl aber dem Biber Gelegenheit bot, seinen Nagetrieb zu befriedigen. Dieser Fall wird gemeinhin als Ruhefall bezeichnet.
Währenddem man die Besenstiele dem Bieber gönnen mag und ihm durch das Nichteinschreiten der Ordnungshüter Gelegenheit gibt, sich hier wieder heimisch und gut aufgehoben zu fühlen, lauert in den putzigen Nagern doch noch eine andere grosse Gefahr. Man stelle sich vor, so ein Biber erspäht in der Dämmerung auf dem auch nachts menschenleeren Platze der Nation den einsamen Eichenbaum vor dem Landtagshaus, nimmt sich seiner an und nagt ihn einfach um. Dieser Fall würde landläufig als Landtagsfall dargestellt und beschrieben.
In der Strassenfegerei bedient man sich in jüngster Zeit aber vermehrt und der Natur zum Trotze motorbetriebenen Blasebesen, wodurch dem Biber der Aufenthalt vielleicht wieder vergällt wird. So wäre zu überdenken, ob wir nicht besagten Eichenbaum durch ein starkes Gebläse, das immerzu frische Winde durch das Ziegelgehäuf bläst, ersetzen sollten.


Jo. Schädler,
Badäl 134, Gamprin

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