Leserbrief

«Der Steuerzahler»

Johann Ott,Untere Pradafant 5, Vaduz | 26. Mai 2014

Nikolaus Frick gibt in diesen Tagen die Lohnvergleiche in Form des «Median» an. Vorausgesetzt, seine Angaben sind richtig, ist zu bemerken, dass der Median nichts mit dem viel plausibleren «arithmetischen» Mittel zu tun hat. Der Median teilt lediglich die Lohngruppen des betrachteten Berufszweiges in zwei Hälften. Das heisst, es gibt in diesem Berufszweig ebenso viele Lohngruppen die unter dem angegebenen Median liegen, wie solche, die darüber liegen. Über die Lohnbeträge der darüber oder darunter liegenden Lohngruppen gibt der Median keine Auskunft. Die verhältnismässig hohen Medianwerte der verwaltenden und unterrich-tenden Dienste weisen allenfalls darauf hin, dass in diesen Organisationen die manuellen Dienstleistungen an die ansässigen Gewerbebetriebe in Auftrag gegeben sind. Sie weisen auch darauf hin, dass der so viel zitierte, anonyme und geschundene «Steuerzahler» schwerwiegend bei diesen verwaltenden und unterrichtenden Dienstleistenden zu suchen ist. Wir Steuerzahlenden haben alle gemeinsam durch unser Wahlverhalten den Politikern und den von ihnen erlassenen Gesetzen volles Vertrauen geschenkt. Beim seinerzeitigen Erlassen des Gesetzes über die Pensionsversicherung für das Staatspersonal waren die Wahlberechtigten des Staatspersonals genau gleich am Zustandekommen dieses Gesetzes beteilig, wie alle anderen Wahlberechtigten dieses Landes. Die daraus resultierten Renten wurden damals weder als «Luxusrenten» noch als «üppig» betitelt. Mit der Zeit erkannten einzelne Fachexperten, dass das gewählte Leistungsprimat langfristig zu Problemen führen kann und haben das auch bekannt gemacht. Es hat, im Nachhinein gesehen, zu lange gedauert, bis der Hebel umgelegt wurde. Die Regierung und der Landtag haben jetzt aber wirkungsvoll reagiert und bieten einen, für alle Beteiligten schmerzhaften, aber zumutbaren Weg zur Sanierung dieser Versicherung an. Als Beteiligter in seiner ureigenen Funktion, nämlich als oberster Dienstgeber des ihm dienenden Staatspersonals, ist «der Steuerzahler» sehr wohl auch in der Pflicht, seinen Beitrag dazu zu leisten. Diese Verantwortung wird jetzt mit populistischen Parolen zerredet und mit untauglichen Modellen durchkreuzt, aber nicht getilgt. Die Konsequenzen daraus haben dann nicht die Verursacher zu tragen.


Johann Ott,
Untere Pradafant 5, Vaduz

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