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Leserbrief

Wen kümmerts

Sigvard Wohlwend,Fuhraweg 42, Ruggell | 24. Mai 2014

Ich war am Dienstag am DU-Forum zur PVS-Sanierung. Es war eine komplizierte Sache mit Folien, die für mich als Laien aussahen wie Schnittmuster aus einer Handarbeitszeitschrift. Zwischendurch gab es Lichtblicke und ich verstand wieder was. Nämlich, dass es zu keinen Steuererhöhungen kommen werde wegen der 300 Millionen Franken, die der Staat der PVS überweisen muss. Das war ja schon mal eine beruhigende Nachricht, dachte ich mir, wie wieder Prozentzahlen über die Leinwand flimmerten und ich mich ausklinkte.
Ich checkte online den Stand unseres Familienkontos und freute mich. Denn ich hatte eine Idee: Von den 30 000 Franken, die auf dem Konto sind, stelle ich 27 000 Franken für den Kauf des gebrauchten Sportwagens zurück. Ich kam nach der Veranstaltung freudig nach Hause, begrüsste mit einer leichten Bierfahne überschwänglich meine Frau. Und immer wenn ich zu optimistisch bin, wird sie skeptisch. Ich solle mit der Sprache rausrücken. Ich erklärte ihr, dass ich problemlos den gebrauchten Mustang kaufen könne. Das belaste die Familienkasse nicht, ich hätte das Geld soeben zurückgestellt. Ob ich noch bei Trost sei, wollte sie wissen. Was wir denn machen sollten, wenn ein Notfall eintreffe, Zahnarztrechnung, Steuerrechnung oder sonst was? Kein Problem, entgegnete ich grinsend, verwies auf die Ausführungen des Regierungschefs zu den 300 Millionen: Hallo? Ich meine, hier reden wir von 27 000? Wen kümmerts? Falls ein Notfall eintritt, nehmen wir halt einen Kredit auf und die Kinder essen ein Jahr lang Cervelat. Was kümmern mich die Probleme von morgen. Sie schaute mich böse an. Und ich gab dann zu, ich hätte sie nur testen wollen.
Und so wie sich meine Frau von meinem Mustang nicht täuschen liess, lasse ich mich auch nicht von diesem «kein Problem, 300 Millionen sind zurückgestellt, das tut niemandem weh», täuschen. Das tun sie sehr wohl. Ich werde für «WinWin 50» stimmen, weil ich es für zumutbar halte, dass die PVS-Versicherten ihre Beiträge zur Hälfte tragen und damit den Staat künftig ein wenig entlasten. Ich finde das eine überschaubare Gegenleistung für die «zurückgestellten» 300 Millionen Franken. Und auch den Zins für das Darlehen halte ich für mehr als nur gerechtfertigt.

Sigvard Wohlwend,
Fuhraweg 42, Ruggell

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