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Leserbrief

Wenn zerzauste Krähen Raben schwarz nennen

Amon Marxer,Murasträssle 4, Balzers | 14. Mai 2014

Da mein Medienkonsum um bis zu vier Wochen zeitversetzt erfolgt, habe ich die Aufregung um die Teilnahme am Zürcher «Sechseläuten» offenbar verpasst, wobei mir nicht ganz klar ist, was es mit der Aufregung überhaupt auf sich hatte. Beim Lesen der diversen Beiträge entsteht der Eindruck, diese 500 000 Franken könnten gespart werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, werden die Kosten aber aus dem regulären Budget von Liechtenstein-Marketing gedeckt. Diese Tatsache scheint mir nicht ausreichend betont worden zu sein. Das Geld wird also ausgegeben, egal ob für die Teil-nahme an der «Bonzenfastnacht» in Zürich oder für etwas anderes. Die Verwendung des Wortes «Bonzenfastnacht» hat mich übrigens sehr amüsiert. Es scheint, jetzt, da unser Wohlstand sich in Wohlgefallen aufzulösen droht, haben wir endlich die notwendige moralische Oberhoheit, um andere, die in den letzten Jahren besser gewirtschaftet haben, als «Bonzen» zu bezeichnen. Da sage noch einer, unser finanzielle Niedergang habe überhaupt keine Vorteile. Während meiner sechs Jahre in Zürich habe ich das «Sechseläuten» jedenfalls nicht als Bonzenfastnacht erlebt, es wird von allen Bevölkerungsschichten besucht.
Es gibt sicher bessere Möglichkeiten, die 500 000 Franken zu investieren, es gibt aber meines Erachtens auch viel unvernünftigere, als sichtbar am kulturellen Leben der Schweiz teilzunehmen. Nach den vergangenen Jahren kann es wohl nicht schaden, unsere Beziehung zur Schweiz ein wenig zu pflegen. Es ist natürlich freundlich, dass die Regierung den Landtag hat zur Sprache kommen lassen – aber auch ein wenig überflüssig. Wenn Liechtenstein-Marketing nicht zur Zufriedenheit der Politik funktioniert, dann kann sie die Vorgaben und allenfalls die Finanzierung von Liechtenstein-Marketing anpassen, personelle Konsequenzen ziehen oder die weitere Existenz dieser Institution generell infrage stellen, wenn langfristig kein Nutzen erkennbar ist. Es ist meines Erachtens aber nicht Aufgabe der Politik, sich ins Tagesgeschäft von Liechtenstein-Marketing einzumischen. Innerhalb des gesetzten Rahmens sollte eine solche Institution frei sein in ihrem Handeln. Seine Meinung über Sinn und Unsinn der Teilnahme am «Sechseläuten» kann natürlich jeder kundtun. Da sich die Frage, ob die 500 000 Fragen ausgegeben werden, aber offenbar nicht stellt, müssten dann allenfalls sinnvollere Alternativen vorgeschlagen werden. Vielleicht eine Investition in einen neuen Wahlspruch? Statt «Wir sind Liechtenstein» «Wir sind pleite»? Bei der Gelegenheit möchte ich noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich für einmal (fast) der gleichen Meinung bin, wie die Regierung. Das kommt in meinen Leserbriefen sonst so selten zum Ausdruck, und in naher Zukunft könnte das Bedürfnis entstehen, sich an bessere, freundlichere Tage zu erinnern. Spätestens beim Thema Konkordat.

Amon Marxer,
Murasträssle 4, Balzers

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