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Leserbrief

«Heilig – heilig – heilig»

Hans Jaquemar,Rüttigass 35, Nendeln | 30. April 2014

Ich habe ehrwürdigen Respekt vor den heiliggesprochenen verstorbenen beiden Päpsten und den beiden noch lebenden. Und doch kommen mir folgende Gedanken: Es ist verständlich, dass die Kirche nach manchen Ereignissen, die ihrem Image nicht gutgetan haben, sich nun in einem erfreulicheren Licht zeigen will. Dazu hat der neue Papst schon beigetragen. So ist die grossartige Inszenierung der Heiligsprechung ein wirkungsvolles Medienergebnis.
«Heilig»: Von unserem biblischen Hintergrund her ist «heilig» ein Adjektiv, dass Gott zukommt – ihm allein. Dann spricht die Bibel – im Alten Testament –, bis der Kultus durch Jesus Christus aufgehoben wird, auch von «Heiligem» und von «Heiligen», die von Gott geheiligt sind. Und Paulus macht den grossen Sprung und nennt alle Christen «Heilige», weil sie das durch die Menschwerdung Gottes geworden sind – ohne Unterschied. Welcher Mensch und welche Institution kann und muss da noch «besondere» Menschen heilig sprechen?
Und eine spontane Vision vor dem Fernseher angesichts der Übertragung des grossartigen Ereignisses: Was geschähe, wenn Jesus – unerkannt – plötzlich die Szene betreten würde?
«Warum bist du gekommen, uns zu stören?» – der Grossinquisitor von Dostojewski lässt grüssen (was freilich für alle Kirchen gilt!).

Hans Jaquemar,
Rüttigass 35, Nendeln

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