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Leserbrief

Missale 1962

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern | 26. April 2014

Kürzlich war in der Presse einige Male vom «Missale 1962» die Rede. Eigentlich handelt es sich dabei um das Missale, das Papst Pius V. im Jahre 1570 nach dem Konzil von Trient – darum «tridentinischer Ritus» genannt – herausgegeben hat; es sollte gegenüber der Reformation die damaligen verschiedenen Riten vereinheitlichen. Es blieben aber weiterhin andere bedeutende Riten, etwa der ambrosianische in Mailand und Umgebung und der mozarabische in Spanien, wie die Ostkirchen, auch die mit Rom unierten, nach wie vor ihre eigenen Eucharistie-Riten haben.
Der tridentinische Ritus wurde damals nicht «dogmatisch für alle Zeiten festgelegt», wie jemand kürzlich gemeint hat. Der Messritus ist kein Dogma, sonst hätte Papst Pius XII. in den Jahren 1951 bis 1955 nicht die Liturgie der Karwoche und der Osternacht ändern können. Er verfügte damals für den Hohen Donnerstag die abendliche Feier, am Karfreitag die nachmittägliche Feier und die Osterfeier am späten Abend des Karsamstags oder in der Osternacht. Bis anhin waren diese Gottesdienste am Morgen; ich erinnere mich noch, wie vor 1951 die Osternachtliturgie am Karsamstag früh morgens und abends eine Auferstehungsfeier als Andacht stattfanden. Das 1962 vom Vatikan herausgegebene Missale ist nichts anderes als das tridentinische aus dem Jahre 1570 mit der erwähnten erneuerten Karwochen- und Osternachtliturgie.
Für Papst Johannes XXIII., der morgen heilig gesprochen wird, war die Erneuerung der gesamten Liturgie ein grosses Anliegen. Das aus dem Griechischen stammende Wort «Liturgie» heisst «Tun des Volkes», also nicht nur Tun des zelebrierenden Priesters. Der Papst hat deshalb im selben Jahr 1962, in dem das von ihm einberufene Zweite Vatikanische Konzil begann, angeordnet, dass es als erstes das Dokument über die Liturgie behandle. Die Konzilsväter hielten es in besonderer Weise für ihre Aufgabe, sich um die Erneuerung und Pflege der Liturgie zu sorgen, wie sie im ersten Abschnitt der im Jahr 1963 verabschiedeten Liturgiekonstitution schreiben.
Ich bin froh, dass ich in den beiden letzten Jahren im Priesterseminar Schritt um Schritt die Erneuerung der Liturgie, in die wir gut eingeführt wurden, erleben konnte, so- dass ich in der Zeit als Priester nie – auch nicht bei der Primiz – nach dem tridentinischen Ritus zelebriert habe.

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

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