Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Von freien Bürgern und von Untertanen

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 23. April 2014

Nach Einsätzen als Werktätiger in verschiedenen Kombinaten der Treuhand- und Finanzbranche hat man sich im Laufe der Jahre an einiges gewöhnt und ist nicht mehr ganz so einfach ins Bockshorn zu jagen. Trotzdem überkommt mich hin und wieder doch noch ein leichtes Frösteln, wenn ich höre, lese oder sehe, wie die Eliten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, immer unter dem Deckmantel nüchterner Sachlichkeit und routiniertem Pragmatismus, eloquent mit weltmännischer Miene, jede Position vorbehaltlos räumen oder elegant umschiffen, von der sie annehmen müssen, dass sie in Brüssel, London, Washington oder welchem Dorf auch immer, bei der OECD oder irgendeinem anderen Verein steuerbefreiter Funktionäre, für ärgerliches Stirnrunzeln oder missbilligende Kommentare sorgen könnte. Gehe es nun um den automatischen Informationsaustausch, das Bankgeheimnis oder was auch immer es gerade an- oder abzuschaffen gilt. In der Regel erfolgt stets der Hinweis auf «internationale Standards» (um die sich dann immer ausgerechnet die am wenigsten scheren, die sie aufstellen), Risiken für die «Reputation» (um die sich ausgerechnet die am wenigsten scheren, die sie bei anderen ständig infrage stellen), oder fehlende, «sinnvolle Optionen» (die ausgerechnet immer die in Fülle zu haben scheinen, die sie anderen verweigern). Ein historisches oder sonstiges Bewusstsein und Verständnis – geschweige denn eine Überzeugung – für irgendeine Wertvorstellung, älter als 14 Tage und nicht millimetergenau dem Zeitgeist angepasst, scheint nicht vorhanden zu sein. Definitiv zumindest nicht die Courage, in der Öffentlichkeit dafür einzustehen. Der verkauft man diese Prinzipienlosigkeit als konsequenten Realitätsbezug, die Verfolgung eherner gesellschaftspolitischer Ziele oder – schlimmer noch – die Umsetzung von Visionen. Dabei wäre es für jeden, der schon einmal ein Geschichtsbuch in der Hand gehabt hat, relativ einfach zu erkennen: Im Prinzip ist das alles schon dagewesen: Daten von freien Bürgern werden nicht automatisch ausgetauscht; Daten von Untertanen werden automatisch ausgetauscht; freie Bürger haben ein Bankgeheimnis, Untertanen haben kein Bankgeheimnis; freie Bürger werden nicht überwacht und bespitzelt; Untertanen werden überwacht und bespitzelt. Wer dem noch nichts Dramatisches abgewinnen kann: Die Liste liesse sich leider ohne weiteres verlängern. Wie bereits gesagt, hin und wieder überkommt mich doch ein leichtes Frösteln.

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

In eigener Sache

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung