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Leserbrief

Unterste journalistische Schublade

Harry Quaderer,für die DU-Fraktion | 16. April 2014

Menschliche Stärken werden in Krisenzeiten auf die Probe gestellt. In der Berichterstattung zum unsäglichen Tötungsdelikt, das das ganze Land betroffen gemacht hat und weiterhin beschäftigt, hat sich gezeigt, dass die journalistische Integrität hierzulande solchen Situationen nicht standhält. Zwei Tage nach der Tat strahlte 1FLTV den ganzen Tag, stündlich wiederholend, ein Interview mit Jürgen Hermann aus. Wie bitter muss dies für die Familien des Opfers gewesen sein? Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Ausstrahlung im Sinne der Familien des Täters war. Nichts gegen freien Journalismus und Pressefreiheit, doch diese Ausstrahlung war ganz einfach von Sensationsgeilheit besessen und zeugte von nichts als Pietätlosigkeit.
In der gestrigen Ausgabe des «Vaterlands» schreibt eine Journalistin (manu), dass der Gewalttäter DU-Regierungsrat habe werden wollen. Sie stützt sich dabei auf eine E-Mail, das Jürgen Hermann einen Tag nach den Landtagswahlen an Exponenten der Freien Liste, der Unabhängigen und an Familienmitglieder (insgesamt rund 30 Empfänger) geschickt hatte. In dieser E-Mail schlug Hermann eine Koalition zwischen VU, Freie Liste und DU vor und empfahl sich selbst als DU-Regierungsrat. Meines Wissens ist dieses Mail von allen Seiten unbeantwortet geblieben. Es hat nie ein entsprechendes Gespräch stattgefunden. Hermann hat in den vergangenen Jahren, wie seit Langem bekannt, viele E-Mails an sehr verschiedene Adressaten versandt und dabei immer wieder versucht, Privatpersonen, Politiker oder ganze Fraktionen von seinen Ideen zu überzeugen.
Tendenziös und den Sachverhalt verzerrend, nahm die «Vaterland»-Redakteurin die alte E-Mail, als wär es bare Münze, umging die gebotene journalistische Sorgfaltspflicht und verzichtete darauf, die Adressaten besagter E-Mail vor der Veröffentlichung ihres Textes zu befragen. Stattdessen macht sich die Redakteurin eine alte, kaum glaubhafte E-Mail und ein erschütterndes Tötungsdelikt zunutze, um Parteipolitik zu betreiben. Dies ist wirklich unterste journalistische Schublade.

Harry Quaderer,
für die DU-Fraktion

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