Leserbrief

Die «50+» können und sie wollen

Barbara Alheit-Mosing,Fallsgasse 19, Eschen | 12. April 2014

Global gesehen haben die wichtigsten Posten in dieser Welt die weit über 50-Jährigen inne. Jeder weiss das und trotzdem werden die sogenannten älteren Arbeitssuchenden mit dem Makel «50+» bedacht. Denn mittlerweile ist es für die Betroffenen, die vielfach aus dem schlechten Wirtschaftsfeld der letzten Jahre gewachsen sind, die harte Realität. Menschen, die mit sehr viel Erfahrung und Know-how ausgestattet sind, weit entfernt von fehlenden Sprachkenntnissen und Multimediawissen (und wenn, betrifft dies nur mehr einen sehr kleinen Anteil).
Die nackte Wahrheit besteht darin, dass Betroffene in den meisten Fällen ohne eigene Schuld, aus wirtschaftlichen Gründen, die letzte Arbeitsstelle verloren haben. Sie waren dort höchst erfolgreich und haben viel zum Erfolg der Unternehmen beigetragen. Auf einmal stehen sie vor der Tatsache, sich neu orientieren zu müssen. Zuerst denkt man: «Na, mir kann ja nichts passieren, ich habe eine gute Ausbildung, habe mich weiterentwickelt und weitergebildet, verfüge über viel Erfahrung, da habe ich doch gleich wieder eine neue Stelle.» Es vergehen die ersten Monate, in denen man merkt, dass man auf einmal fremdbestimmt ist. Die Banken schnüren den Gürtel enger, die Behörden fordern natürlich ihren Tribut – alles verständlich und nachvollziehbar. Aber für den Betroffenen auf einmal eine ganz neue Welt.
Man bewirbt sich voller Zuversicht. Die Absagen, sofern sie überhaupt kommen, mehren sich. Man geht zu Veranstaltungen, man lässt seine Bewerbungen und Anschreiben mehrfach fachgerecht kontrollieren, man versucht zusätzliche Weiterbildungen, die aber nur begrenzt finanzierbar sind. Für eine überlegte Selbstständigkeit fehlt das Geld. Und weitere Monate vergehen. Man fragt bei den Unternehmen nach, warum man nicht wenigstens ein Vorstellungsgespräch bekommt. Tatsache ist aber, dass man in neun von zehn Fällen, keine klare Antwort bekommt, nur dass es jemand anders entschieden hat und man keinen Einfluss hätte. Nur ein Personalbüro sagt, dass man einfach nicht mehr ins Altersschema passt. Und dann bekommt man Angst und die Spirale, so wie es von Herrn Karl-Anton Wohlwend vom Amt für Soziale Dienste in der Veranstaltung vom 26. Februar 2014 vollkommen richtig erklärt wurde, beginnt sich zu drehen. Ungläubigkeit, Angst, dass man wirklich keine Chance bekommt, dass das Licht am Ende des Tunnels nicht aufscheint, dass selbst die honorigen Herren deiner Referenzen nichts helfen. Und auf einmal versteht man die Bedenken der Wirtschaft, dass man nicht mehr so belastungsfähig ist – denn nach so langer Zeit in der man gesagt bekommt, dass man wohl eine tolle Ausbildung hat, aber nicht gebraucht/genommen wird, dann ist man tatsächlich nicht mehr belastungsfähig. Juhuiii! Willkommen im Hamsterrad!
Nur wer zahlt letztendlich die Zeche? Der Staat, also wir. Und der Betroffene mit seiner Gesundheit, die sich über Monate nicht mehr herstellt, also wieder wir, denn die Prämien kosten, die Sozialhilfe ist mittlerweile ein mehrstelliger Millionenbetrag – wollten wir nicht sparen? Die «50+» können und sie wollen, weil sie es können, aber wann endlich?

Barbara Alheit-Mosing,
Fallsgasse 19, Eschen

Glaube

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