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Leserbrief

Wirtschaft, was wünschst du dir mehr!

Evren Erköseoglu,Landstrasse 121, Triesen | 3. April 2014

Im öffentlichen Diskurs ist die soziale Erfahrung der Arbeitslosen mit dem AMS weitgehend ausgeschlossen. Man steht im Halblicht von Arbeitsunwilligkeit und Schmarotzertum – wer arbeitslos ist, kennt das aus seinem Alltag ganz genau.
Ein beliebtes Mittel, Erwerbslose zu beschäftigen, sind «Kurse». Bei diesen geht es um die Indoktrination marktkonformer Weltanschauungen, schlicht um Gehirnwäsche. Sehr oft werden Themenbereiche in den Kursen wiederholt.
Wer zu äussern wagt, dass das Problem der Arbeitslosigkeit auf gesellschaftlicher Ebene bekämpft werden muss, wird automatisch zum Querulant und «dokumentiert» damit seine heimliche Arbeitsunwilligkeit. Ablehnung von kostspieligen «Kursen» zieht die Streichung des Bezugs für einige Wochen nach sich: So will es das Gesetz. Geäus-serte Bedenken, die angebotenen Arbeitsstellen würde ja nicht der eigenen Person entsprechen, werden mit dem Hinweis auf zu leistende Flexibilität und der Erwähnung mit Bezugsstreichung quittiert.
Wer diese Mechanismen kennt, weiss, warum die Massnahmen de facto kontraproduktiv und als Schikane zu werten sind. Es wäre naiv zu glauben, das AMS wüsste das alles nicht.
Sicher treffen die in diesem Bericht festgehaltene Erfahrungen nicht auf alle in gleichem Masse zu.
Aus zahlreichen Gesprächen und auch aus eigener Erfahrung weiss ich, welchen psychischen Druck es bedeutet. Das Bedrückende ist die Ausweglosigkeit, in der sich manche Arbeitslose befinden. Solange man jedoch ohne Arbeit und Einkommen ist, kann man dieser Institution nicht wirklich entfliehen.
Die psychische Reaktion der Arbeitslosen ist unterschiedlich. Manche reagieren mit Zynismus, andere mit Angst, weitere reagieren mit Überanpassung. «Eigentlich sind wir Leibeigene des Staates» formulierte eine langzeitarbeitslose Liechtensteinerin (53 Jahre alt) in einem Gespräch.
In AMS-Kursen wurden meine Bewerbungen kritisiert und korrigiert – obwohl ich die Briefe zusammen mit einem Personalfachmann geschrieben hatte. Es stellt sich die Frage, ob die AMS-Berater überfordert sind. Das Problem ist, dass Berater die Klienten gleichzeitig beraten und kontrollieren müssen.
Diese beiden Aufgaben widersprechen sich aber: Um den Klienten zu helfen, müssten Berater sich offen und vertrauensvoll auf sie einlassen. Wegen ihrer Kontrollfunktion ist das aber nicht möglich. Dies gilt auch für die Coaches in den Kursen.
Kritik soll zur Verbesserung beitragen. Das hier erwähnte Thema könnte auch Sie, geschätzter Leser, irgendwann betreffen.

Evren Erköseoglu,
Landstrasse 121, Triesen

Schulpsychologie

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