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Leserbrief

Sparen auf Kosten der Kinder

Dr. med. René Kindli,Weiherring 10, Mauren | 3. April 2014

In den vergangenen Jahren ist der Druck auf die Schüler und auch auf die Lehrer zunehmend gestiegen. Dies ist eine Tatsache, für die niemand speziell verantwortlich gemacht werden kann. Unter dieser Situation leiden sowohl Schüler als auch Lehrer, am meisten aber sich die leistungsmässig Schwachen oder die sozial auffälligen Schüler.
Als Kinderarzt sehe ich sehr viele Kinder und Jugendliche mit Schulproblemen in meiner Praxis. Verhaltensauffälligkeiten und Leistungsverweigerung in der Schule sind sehr häufig Ausdruck einer Überforderung oder Unterforderung. Auch Teilleistungsstörungen oder Konzentrationsprobleme können dazu führen, dass Schüler ihr Potenzial nicht ausschöpfen können. Meistens kann in solchen Situationen eine Abklärung beim schulpsychologischen Dienst Klarheit über die Ursache schaffen und geeignete Massnahmen eingeleitet werden. Dies kann eine Beratung des Kindes oder der Eltern sein. Es können auch gezielte Fördermassnahmen wie integrierte schulische Förderung (Ergänzungsunterricht), Logopädie oder Zuweisung an andere Fachstellen sein. Ein anderes sehr zentrales Arbeitsgebiet des schulpsychologischen Dienstes ist die Schulreifeabklärung. In meiner täglichen Praxis haben sich die Schulpsychologen auch sehr bewährt als Vermittler zwischen Eltern und Lehrer. Obwohl beide das Beste für das Kind möchten, kommt es nicht selten aufgrund von Missverständnissen zu Unstimmigkeiten zwischen Lehrern und Eltern. Das Kind steht dann zwischen den Fronten und leidet am meisten darunter.
Im Rahmen der aktuellen Sparmassnahmen wird nun ab dem Sommer eine der drei Stellen des schulpsychologischen Dienstes (SPD) gestrichen. Da die Gesamtbelastung des SPD nicht abnehmen wird, heisst das, dass die Wartefristen für die Abklärungen zunehmen. Wer schon jemals in einer Krise war, weiss, wie wichtig es dann ist, möglichst schnell zu wissen, wo der Hund begraben liegt. Dann kann nämlich erst konkret an einer Lösung gearbeitet werden. Wenn nun mit Wartefreisten von Wochen bis Monaten gerechnet werden muss, heisst das, dass der Leidensdruck der Kinder unnötig verlängert wird.
Zudem werden zunehmend Fragen, die eigentlich zum Kerngeschäft des SDP gehören, an Kinderpsychologinnen oder Kinderärzte getragen. Diese Berufsgruppen belasten dann ja nicht mehr das Budget des Ressorts Bildung. Dass die Kosten, die die Abklärung des SDP verursachen, natürlich deutlich unter denen des Vertreters des Gesundheitswesens liegen, ist zwar klar, scheint aber niemanden zu interessieren.
Einmal mehr wird versucht, kurzfristig auf Kosten der Kinder zu sparen. Langfristig wird dies aber um ein Vielfaches teurer sein, wenn Kinder in Spezialeinrichtungen aus-serhalb unseres Landes untergebracht werden müssen, wenn für Jugendliche und junge Erwachsene Therapien und andere Unterstützung bezahlt werden müssen, weil sie in ihrer Schulzeit nicht zu gesunden Persönlichkeiten reifen konnten. Es wäre schön, wenn die Sparpolitiker auch hierfür Lösungsvorschläge hätten. In der Wirtschaft ist es eine alte Weisheit, dass in Krisenzeiten investiert werden muss.

Dr. med. René Kindli,
Weiherring 10, Mauren

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