Leserbrief

Es liegt nicht am Arzttarif …

Sigi Scherrer,Landstrasse 79, Vaduz | 15. März 2014

… sondern an der Tatsache, dass wir hier in Liechtenstein doppelt so viele ärztliche Leistungen «konsumieren» wie unsere Nachbarn in der Schweiz. Dies ist die wahre Ursache für die alljährlich steigenden Kosten im Gesundheitswesen. (Und in Klammern: Wer die Einkommen der Ärzte für zu hoch erachtet, vergleiche jene doch mal mit solchen, die auf einzelnen Teppichetagen garniert werden, oder mit den geradezu hirnrissigen Summen, die Profisportlern nachgeschmissen werden.)
Dennoch wäre es natürlich blauäugig zu meinen, es gebe im Bereich Medizin nicht vereinzelte Leistungserbringer, die eher an das eigene Wohl als an das Weh ihrer Patienten denken. Jeder von uns kennt Beispiele von Untersuchungen, Behandlungen oder Eingriffen, deren Sinnlosigkeit nur noch von deren Nutzlosigkeit übertroffen wird. In dieser Hinsicht muss ein Instrumentarium geschaffen werden, damit derartige Missbräuche umstandslos unterbunden werden können.
Aber auch die Krankenkassen müssten von der Politik ernsthafter an die Kandare genommen werden. Zum Beispiel sollte nicht nur das Minimum der Reserven, sondern ebenfalls das Maximum von der Politik festgesetzt werden können; für nicht-chronisch Kranke müsste ein Bonus-Malus-System eingeführt werden, damit jene Pseudo-Patienten zur Kasse gebeten werden, die das System mit Ärzte-Hopping, Zweitdiagnosen usw. missbrauchen, und gleichzeitig jene Menschen geschont werden, die wirklich nur dann medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn dies erforderlich ist. Nicht zuletzt muss der Leistungskatalog radikal reduziert werden. Es kann nicht angehen, dass Otto Normalpatient jährlich mehr und mehr Prämie hinblättern muss, damit sich XY an einem Samstagabend in der Notaufnahme des Spitals auf Kosten der Allgemeinheit eine Zecke entfernen lässt, damit er mit seinem Hüstchen, Grippchen oder irgendeinem anderen Wehwehchen zum Arzt rennt und sich Konsultation plus Medikamente von der Kasse finanzieren lässt oder, noch krasser, ein Komasäufer zulasten von uns Prämienzahlern wieder hochgepäppelt wird. Solche Kinkerlitzchen müssten von den Leuten ab sofort selber berappt werden. Und zwar ohne Umweg über die Versicherungen, sondern bar oder mittels Rechnung direkt an die Leistungserbringer. Dadurch würde die Nachfrage nach unnötigen medizinischen Leistungen schnell mal sinken, was sich auch auf das Überangebot an Ärzten, Therapeuten und weiteren Leistungserbringern automatisch reduzierend auswirken würde. Ganz im Sinn eines Gesundschrumpfens …

Sigi Scherrer,
Landstrasse 79, Vaduz

Stadttunnel Feldkirch

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