Leserbrief

Fasnacht und das gläubige Volk

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern | 22. Februar 2014

Das gläubige Volk hat es seit Jahrhunderten verstanden, sich mit Bräuchen auf die Fastenzeit vorzubereiten. Das sagen schon die Namen der Bräuche:
? Der «schmotzig Donnschtig» in der Woche vor dem Aschermittwoch. «Schmotz» hat hier nichts mit «Schmutz» zu tun, sondern ist das im Dialekt vereinzelt noch bekannte Wort «Schmotz» für «Fett». Man begann, alles Fettige aufzubrauchen, auf das man während der Fastenzeit verzichtete.
? Als «ruossige Fritig» bezeichnet man im süddeutschen Raum, in Vorarlberg und der Schweiz, den Freitag nach dem «schmotzigen» Donnerstag. Der Name stammt daher, dass man an diesem Tag versucht hat, zum Spass Leuten Russ ins Gesicht zu schmieren.
? «Fasnacht» oder «Fasnet»: Das Wort kommt von «faseln», also Lustiges treiben. Vor allem in Österreich, Bayern und Sachsen sagt man «Fasching»; dieser Begriff taucht bereits ab dem 13. Jahrhundert auf und leitet sich vom letzten Ausschank alkoholischer Getränke ab. Das Wort «Karneval» kommt vom italienischen «Carnevale» und heisst wörtlich «Leb wohl, Fleisch!» Der im rheinischen Karneval geläufige «Rosenmontag» hiess ursprünglich «rasender Montag». Fasnacht weist auf die Fastenzeit, in der man es ernster nehmen will. Die «Fastnacht» ist die Nacht auf den Aschermittwoch, den Beginn der Fastenzeit.
? Der «Aschermittwoch» hat seinen Namen von der Asche, mit der die Gläubigen bezeichnet werden. Asche ist Zeichen der Vergänglichkeit, wurde aber in früheren Zeiten, zu Pottasche verarbeitet, auch als Waschmittel verwendet. Asche ist also auch Hinweis auf Reinigung.
? «Küechlisunntig» und «Funkasunntig» sind beides Tage des Aufräumens. Mit dem «Küechli-Backen» hat man wohl das restliche Fett aufgebraucht und mit dem Funken den beim Aufräumen gesammelten Unrat verbrannt. Der älteste Beleg für den Funkensonntag stammt aus dem Jahr 1090.
Auf die närrische Freude der Fasnacht folgt die ernste Freude der Fastenzeit. Das Wort «fasten» gehört zur gleichen Wortfamilie wie das Adjektiv «fest». Im Englischen hat es noch den ursprünglichen Sinn, etwa beim Hinweis in Flugzeugen «Fasten your seat belt, please!» Bitte, den Sitzgurt festmachen! «Fasten» bedeutet «festhalten, beobachten, bewachen». Die Fastenzeit legt uns nahe, was wir festhalten und beobachten sollen – nämlich das, auf was es im Christ-Sein ankommt. Damit es uns bewusster wird, kommt dazu das Verzichten und Sich-Einschränken – eben das, was wir heute unter «fasten» verstehen.

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

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