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Leserbrief

Menschheit steckt in einem Teufelskreis

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 13. Januar 2016

Grundeinkommen

Wenn ich mir das richtig überlege, dann könnte ich mich doch noch mit der Idee von Herrn Gnehm eines bedingungslosen Grundeinkommens anfreunden. Das wäre eine feine Sache. Mit einem solchen müsste ich mich dann in der Frühe nicht mehr schon um fünf Uhr aus den Federn werfen, sondern könnte einfach liegen bleiben und warten was der Tag so bringt. Um mein Einkommen, müsste ich mir ja keine Sorgen machen, denn das wäre gesichert und es würden sich daran keine Bedingungen knüpfen. Den Tag würde ich dann mit der Produktion von Dankbarkeit jenen gegenüber ausfüllen, welche mir dieses Glück ermöglichen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich an den Fabriktoren meinen Gönnern die Hände schüttle, falls ich mein Bett überhaupt noch verlasse.
Tatsächlich steckt die Menschheit in einem Teufelskreis aus dem es kein Entrinnen gibt. Mit der lapidaren Forderung nach einem „bedingungslosen“ Grundeinkommen schon überhaupt nicht. Die 7.3 Milliarden Mäuler dieser Erde müssen gefüttert werden. Und das täglich und wenn es geht mindestens dreimal. Dieses viele Futter ist mit Bauers Sense längst nicht mehr zu schaffen. Da müssen Maschinen in gröberem Ausmass aufgefahren werden.
So leben z.B. in der Agglomeration Paris 12 Millionen Menschen. Diese gilt es tagtäglich zu versorgen. Dafür rennen sich in Allerherrgottsfrühe die Lebensmittelhändler die Lungen aus den Leibern um ihr Fleisch und Gemüse an die Stände zu bringen und um dann abends todmüde ins Bett zu fallen. Und in der Normandie draussen sitzt am späten Abend noch der Bauer unter seiner Kuh um ihr ein bisschen Milch abzurubbeln, die er dann für ein paar lausige Cents nach Paris karren muss. Und das alles bei kargem Lohn, der kaum zum Leben, ja nicht einmal zum Sterben reicht.
Im Supermarkt kann ich dann mit meinen Einkommen, das mir monatlich bedingungslos in meinen Geldseckel tropft, auswählen. Nehme ich den Camembert, ein bisschen Fois gras oder genügen mir heute Baguette mit Schinken. Ich muss nämlich abnehmen, weil das ewige Herumliegen hat mir etwas Speck um die Rippen beschert. Der lästige, dafür aber der einzige Nachteil an meinem bedingungslosen Grundeinkommen.
Tatsächlich steht die Menschheit vor riesigen Problemen, all die Mäuler zu stopfen und jedem eine menschenwürdige Beschäftigung zu geben. Diese Probleme zu lösen, sind umfassende Denkansätze vonnöten, welche alle Faktoren miteinbeziehen. Mit dem Gedanken, dass sich die einen bedingungslos auf Kosten anderer mästen, dürfte es kaum getan sein.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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