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Leserbrief

Konzil: Rückblick und Ausblick

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern | 15. Februar 2014

«Das Zweite Vatikanische Konzil war ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Kirche. ... Aber etwa ab der Mitte der 1980er-Jahre wurde systematisch versucht, Geist und Wirkung des Konzils zum Stillstand zu bringen bzw. zurückzudrehen. ... Die Bischofssynode von 1985 begann dann offiziell damit, die Dokumente des Konzils im Sinne der vorkonziliaren Theologie zu interpretieren und bereitete damit den Weg, die Konzilsdokumente in die Form eines Katechismus zu pressen. ... 2007 setzte der Papst offiziell die vorkonziliare oder tridentinische Form des Messritus der neuen, von Papst Paul VI. nach dem Konzil approbierten römischen Form gleich. Dasselbe gilt für die Feier der Sakramente. ... Diese Einstellung bedeutet aber auch einen Rückschritt im Blick auf die dem Gottesdienst zugrunde liegende Theologie. Das kommt einer Rückkehr zu jener Kirchenlehre gleich, die eine klare hierarchische Trennung zwischen ordinierten Priestern und Laien vornimmt. Man nimmt damit eine theologische Position ein, die dem Geist des Konzils widerspricht. ... Grundlegender Rückschritt ist, dass die Eucharistie mehr als Anbetung und weniger als gemeinsame Mahlfeier verstanden wird und der Opfercharakter weitaus stärker betont wird als der Mahlcharakter. ...
Unsere Hoffnung, unser Wunschzettel für die Kirche der Zukunft lautet:
Die Kirche soll übergehen
? von einer nordatlantisch-zentrierten Kirche zu einer wirklich universalen oder globalen Kirche;
? von einer Kirche, die die Einheit durch Gleichförmigkeit in Theologie, Liturgie und organisatorischen Formen erzwingen will, zu einer Kirche, in der die Einheit in der Vielfalt von Theologie, Spiritualität, Liturgie und Kultur besteht;
? von einer hierarchischen Machtstruktur zu einer Gemeinschaft (communio) dienender Menschen; ...
? von einer Kirche des Gesetzes und der starren Unnachgiebigkeit zu einer Kirche der Liebe und des Mitleids.
Wie kann man diese Ideale Realität werden lassen? Wir können nicht erwarten, dass dies von oben passiert. Der Prozess des Wandels muss von unten her erfolgen, also von der Basis ausgehen und so das Verhalten derer, die Macht ausüben, verändern und zum Sauerteig werden, der die gesamte Kirche verändern kann.»
(Aus dem Vortrag des indischen Theologieprofessors Dr. John Fernandes am 23. Mai 2013 an der Universität Innsbruck).

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

Glaube

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