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Leserbrief

Die fürstliche Version, 2. Teil

Peter Sprenger,Haldenstrasse 12, Triesen | 8. Februar 2014

In den gestern im 1. Teil dieses Leserbriefs zitierten Sachverhaltsschilderungen der «LJZ» («Liechtensteinische Juristenzeitung») 2000, S. 105 ff, ist direkt oder zwischen den Zeilen die ganze Tragik der Ausbootung von Herbert Wille als Richter durch den Fürsten, die für ihn de facto ein Berufsverbot bedeutete, enthalten. Meine Sicht der Dinge dazu ist zusammenfassend folgende: Der Fürst wollte unter Berufung auf seine verfassungsmässige Kompetenz in Art. 8 LV den Abstimmungstermin der ersten Abstimmung über den Beitritt unseres Landes zum EWR terminlich vor der Schweizerischen Abstimmung ansetzen. Die Regierung dagegen setzte ihn unter Berufung auf eine klare Bestimmung im Volksrechtegesetz eine Woche nach dem Termin in der Schweiz fest. Herbert Wille war damals Justizminister, der diesen Termin für die Regierung festzusetzen hatte. Ob dieses Kompetenzstreits kam es zu den dramatischen Ereignissen von Ende Oktober 1992, im Zuge derselben der Fürst vor dem Regierungsgebäude von Demonstranten ausgebuht und ausgepfiffen wurde. Als der Fürst den oben genannten Artikel über den Vortrag von Herbert Wille las, sah er den Zeitpunkt für die Rache als gekommen, griff zur Feder und schrieb Wille den ominösen Brief, der letztlich zur Verurteilung Liechtensteins durch den EGMR in Strassburg führte. Der Stachel dieser Verurteilung, der formell das Land, materiell aber den Fürsten traf, sitzt bei Letzterem offenbar so tief, dass er die in seinem oben genannten Brief vom 27. Februar 1995 an Herbert Wille angelegte Begründung innerlich so oft wiederholt und öffentlich geäussert hat, bis sich diese bei ihm zu einer für ihn stimmigen subjektiven «Wahrheit» verdichtet hat. Dass andere eine andere Wahrheit zum selben Ereignis haben, blendet er aus. Der Volksmund pflegt in solchen Zusammenhängen zu sagen: «Eine Behauptung wird durch ständiges Wiederholen nicht wahrer ...»
Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass in der Zwischenzeit der alte Art. 112 LV im Zuge der fürstliche Verfassungsrevision vom Jahre 2003 ersatzlos gestrichen und damit die Grundlage der unterschiedlichen Ansichten zum Wortlaut dieser Bestimmung zwischen dem Fürsten und Herbert Wille radikal (an der Wurzel) beseitigt wurde. Honi soit qui mal y pense! (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!)

Peter Sprenger,
Haldenstrasse 12, Triesen

Glaube

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