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Leserbrief

«Gesetz und Evangelium»

Hans Jaquemar, Rüttigass 35, Nendeln | 7. Februar 2014

Als evangelischer Mensch und Pfarrer, der seit seiner Geburt in einem mehrheitlich römisch-katholischen Land lebt, berührt mich das, was in der katholischen Kirche läuft, auch wenn ich davon nicht direkt betroffen bin.
Die derzeitige Befragung der Kirchenmitglieder durch Papst Franziskus ist, wie auch andere Signale, ein Zeichen der Öffnung.
9000 haben in Vorarlberg, 43 000 in Österreich, über 30 000 in der Schweiz geantwortet. Angesichts der über 40 000, die in Vorarlberg gegen das Fracking und der 1700, die in Liechtenstein gegen die Feldkircher Tunnellösung unterschrieben haben, sind das für die Kirchenbefragung sehr bescheidene Ergebnisse. Offensichtlich berührt das dauernde Ehe-, Sex-, Zölibat-Thema die Menschen nicht mehr besonders. Ob da der Zug nicht schon abgefahren ist und auch die Gläubigen sich inzwischen aus der Bevormundung befreit haben und selbstverantwortlich entscheiden und leben? Ausserdem müsste die Kirche durch eine lebendige Seelsorge wissen, wie ihre Mitglieder denken und leben.
Wenn auch diese Bereiche das Leben von uns Menschen wesentlich prägen, entspricht es nicht dem Geist Jesu, hier gesetzlich und moralisierend Vorschriften zu machen. Weil die Kirche hier immer mehr den Kontakt zur Wirklichkeit verliert, ist es auch fragwürdig, durch Konzessionen und Lockerung Erfolg zu haben. (Wenn das so wäre, müsste die Evangelische Kirche mit verheirateten Pfarrern und Pfarrerinnen, mit der Trauung von Geschiedenen und der Gleichstellung der «Laien» grossen Erfolg haben. Das ist aber mitnichten so).
Mit der Botschaft Jesu kam das Ende des Gesetzes. Das Evangelium lässt sich nicht im Kirchenrecht fassen.
Jesus löst das auf, wenn er einerseits das Gebot vom Ehebruch verschärft: «Wer ein Weib ansieht, sie zu begehren, hat mit ihr die Ehe gebrochen …», und der Ehebrecherin verzeiht und sagt: «Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr ...» Und ihren klerikalen Richtern sagt er: «Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein …» Das ist ja nun auch leider auf böse Weise wirklich geworden, wie wir kirchliche Funktionäre zu Fall gekommen sind.
Wohin könnte es gehen? Sich immer wieder neu mit der befreienden Botschaft des Evangeliums auseinandersetzen, davon predigen, daraus glaubwürdig leben und jedem Menschen in seiner jeweiligen Lebenssituation ehrlich, liebevoll und hilfreich begegnen ...

Hans Jaquemar, Rüttigass 35, Nendeln

Herbert Wille

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