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Leserbrief

Stadttunnel Feldkirch

Werner Steiner,Im Gafos 21, Schaan | 4. Februar 2014

Zurzeit wird in unseren Zeitungen das Projekt Stadttunnel Feldkirch emotional diskutiert. Dieses Projekt hat das Ziel, in der Innenstadt Feldkirch die immense Verkehrsbelastung zu reduzieren.
Mit einer Petition soll die Regierung beauftragt werden, die Auswirkungen des Stadttunnels Feldkirch auf Liechtenstein zu klären. Insbesondere soll der durch den Stadttunnel verursachte Mehrverkehr auf die Strassen Liechtensteins sowie die Luft- und Lärmbelastung in Liechtenstein aufgezeigt werden. Ferner soll abgeklärt werden, ob für das vorliegende Projekt die Alpenkonvention zur Anwendung kommen kann, was eine weitere Einsprachemöglichkeit ergäbe. Obwohl bei uns Meinungsäusserungen, die nicht in das Verhinderungskonzept passen, als unqualifiziert abgetan werden, erlaube ich mir, folgende Stellungnahme zu diesem Projekt und zur Verkehrsplanung in Liechtenstein.
Worum geht es in Feldkirch? Im Bereich der Bärenkreuzung werden heute schon 40 000 bis 50 000 Fahrzeuge pro Tag bewegt, davon sind 570 Lkws und Busse. Bis 12 000 Fahrzeuge/pro Tag, also ca. 30 Prozent, fahren nach Liechtenstein. In Stosszeiten ist der prozentuelle Anteil der nach Liechtenstein fahrenden Autos noch grösser. Im Projekt wird eine Zunahme des Verkehrs um 28 Prozent bis zum Jahr 2020 prognostiziert, was zu noch mehr Stau, Lärm und Luftverschmutzung in Feldkirch führt.
Da, wie bekannt, auch Liechtenstein einen Teil des Problems verursacht, wäre es angebracht, mit unseren Nachbarn konstruktiv zusammenzuarbeiten und nicht jeden Lösungsvorschlag vorsorglich zu bekämpfen. Wenn wir weiterhin ein grosser Arbeitsplatz in der Region bleiben wollen und unsere Politik betreffend Wohnsitznahme im Land nicht ändern, werden die Zupendlerzahlen nicht abnehmen, sondern wie im Projekt Stadttunnel Feldkirch prognostiziert, eher zunehmen.
Es ist an der Zeit, mit Österreich und der Schweiz eine vernünftige Lösung für den Ost-/West-Durchgangs- und Schwerverkehr zu suchen, nötigenfalls auch mit einem finanziellen Beitrag. Ansonsten wird dieser Verkehr wie bisher durch die Dörfer Liechtensteins von der Autobahn in Österreich auf die Schweizer N13 geschleust.
Im Lande selber wird der Ausbau des Hauptverkehrsnetzes seit Jahren bekämpft, interessanterweise weit weniger der Ausbau von Quartierstrassen. Dabei haben wir gros-ses Glück, dank der Schweizer N13 mit Anschlüssen in Balzers, Vaduz, Schaan, Bendern und Ruggell verfügen wir über eine ortsnahe Umfahrungsstrasse, welche von uns und den Zupendlern rege genutzt wird, (notabene ohne einen Beitrag für Bau oder Unterhalt zu leisten). Hätten wir diese Autobahn nicht, wäre unser Hauptstrassennetz längst weit überfordert.
Aus Angst der Behörde vor Einsprachen basteln wir beharrlich am bestehenden Landstrassennetz herum, welches mitten durch die Dörfer führt. Gewisse Strecken der Landstrasse im Zentrum der Dörfer sind als Folge des enormen Verkehrsaufkommens zu Wohnzwecken nicht mehr geeignet, entvölkerte Dorfkerne werden beklagt. Aus derselben Angst vor Einsprachen bauen wir den neuen Industriezubringer mit Bahnübergang und verpassen so die Chance, im Oberland einen niveaufreien Bahnübergang über die ÖBB (S-Bahn FL-A-CH) zu realisieren. Bahnübergänge werden im Ausland durchgehend, zum Teil mit grossem finanziellen Aufwand, aus Sicherheitsgründen und um Stau zu verhindern, eliminiert.
Im Bericht über die Umweltauswirkungen zur Verkehrslösung Feldkirch steht: Das Fürstentum Liechtenstein wurde in das konsensorientierte Planungsverfahren eingebunden.
Nutzen wir das freundnachbarliche Angebot und versuchen, mit konstruktiver Mitarbeit eine Lösung für den überregionalen Durchgangsverkehr zu finden. Auch in Liechtenstein selbst sind innovative, realisierbare Lösungen zur Entlastung der Dörfer notwendig und zu suchen.

Werner Steiner,
Im Gafos 21, Schaan

Demokratie

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