Leserbrief

Grosse Unterschiede (Teil 1)

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 21. Januar 2014

Sehr geehrter Herr Ospelt,
im Gegensatz zu Ihnen, Herrn Manhart, Herrn Schädler und vielen anderen bezweifle ich, dass die Besteuerung nach der sogenannten «tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit» viel mit Gerechtigkeit zu tun hat. Mein Verständnis von Gerechtigkeit wäre ein anderes und das obwohl ich wahrscheinlich ebenfalls zu den Begünstigten unseres gegenwärtigen Systems zähle. Meine Gerechtigkeit wäre eigentlich diejenige, die z.B. im Rössle in Schaan praktiziert wird. Wenn ich dort ein Bier bestelle, bezahle ich ein Bier. Esse ich ein Cordon Bleu, bezahle ich ein Cordon Bleu. Hin und wieder bezahle ich auf freiwilliger Basis jemandem ein Bier. Ab und zu bezahlt mir jemand auf freiwilliger Basis ein Bier. (Seit ich Leserbriefe schreibe, leider immer seltener; nach diesem Leserbrief wahrscheinlich noch seltener.) Sitzen mehrere Leute am Tisch und das Gelage ist am Ende nicht mehr eindeutig zuordenbar, wird die Rechnung nach Köpfen aufgeteilt, sofern sich keine freiwilligen Sponsoren finden. Dieses «System» halte ich eigentlich für das gerechte. Und wissen Sie was? Aus zahlreichen, persönlichen Feldversuchen weiss ich: Es ist eigentlich auch die Gerechtigkeit der übrigen Gäste, der grossen Mehrheit und das nicht nur im Wirtshaus. Das Prinzip gilt auch überall sonst. Geht es um Steuern, um «Steuergerechtigkeit», verkehrt sich nun aber plötzlich alles ins genaue Gegenteil? Anscheinend ist das so! Ich glaube aber nicht, dass es für jede Lebenssituation eine andere «Gerechtigkeit» geben kann. Bei den Steuern soll alles anders sein, weil man uns das von klein auf so erzählt. Wir lesen es in den Zeitungen, hören es im Radio und sehen es im Fernsehen. Dazu fällt mir ein Satz von Frédéric Bastiat (1801-1850) ein: «Wenn das Ausplündern zur Lebensart einer Gruppe von Männern wird, die gemeinsam in einer Gesellschaft leben, schaffen sie sich im Laufe der Zeit ein Rechtssystem, das sie dazu befähigt, und einen moralischen Kodex, mit dem es verherrlicht wird.» Der Satz beschreibt sicherlich (noch) nicht die liechtensteinischen Verhältnisse, Gott sei Dank! Aber richten Sie Ihren Blick nur einmal in die Länder der EU. Ist er dann so falsch?

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

«Faustschlag ins Gesicht»

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