Leserbrief

Undifferenziert dargestellt?

Harry Quaderer,du-Fraktionssprecher | 18. Januar 2014

Am vergangenen Samstag schrieb Michael Benvenuti im «Kommentar» einen Kommentar mit dem Titel: «Auch Ärzte müssen zur Genesung des Systems beitragen.» Seine einleuchtende und richtige Schlussfolgerung war: «Wer den 37 000 OKP-Versicherten eine Prämienerhöhung von knapp 12 Prozent zumutet, darf auch von den rund 100 Ärzten einen Beitrag zur Genesung des Gesundheitswesens einfordern.» Dieser Beitrag ermunterte den VU-Präsidenten Jakob Büchel am letzten Dienstag in seiner Hauszeitung, (s)einen Standpunkt unter dem Titel «Undifferenziert dargestellt» zu veröffentlichen. Seine wesentlichen Aussagen: Dank Altregierungschef Klaus Tschütscher konnte der Tarifstreit zwischen dem Ärzte- und dem Krankenkassenverband geschlichtet werden. Eine Handvoll erhöhter Tarifpositionen stelle keine «saftige» Gehaltserhöhung für die Allgemeinmediziner dar. Mit Zahlenspielereien solle man zum jetzigen Zeitpunkt keine Ängste und Unsicherheiten schüren. Man solle dem von den Ärzten und Krankenkassenverband beschlossenen Tarif die notwendige Zeit geben. Jakob Büchel ist ganz offensichtlich der Ansicht, dass man die Ärzteschaft bei der nächsten KVG-Revision aus dem Spiel lassen und das gescheiterte KVG-Modell der ehemaligen VU-Regierung weiterführen soll. Die den Allgemeinmedizinern gewährte Tariferhöhung, die 1,2 Millionen Mehrausgaben verursachte, erwähnte er nicht. «Sapperlot!», kann man da nur sagen.
Gern möchte ich der Leserschaft die wesentlichen Punkte, welche die du-Fraktion anlässlich der Aktuellen Stunde zum Thema «Krankenkassenprämienschock» in der Dezember-Landtagssitzung einbrachte, kurz in Erinnerung rufen:
1. Tarifanpassung an die Schweiz, sprich Tarmed, mit einer streng gestrafften Bedarfsplanung. OKP-Zulassungen drastisch reduzieren. Gesetzliche Auflagen zum Erhalt oder Wegnahme einer Zulassung müssen neu geregelt werden.
2. Der Leistungskatalog muss nicht nur hinterfragt, er muss neu definiert werden (d. h. einige Leistungen werden ersatzlos gestrichen werden).
3. Die Eigenverantwortung des Versicherten muss dahin gesteuert werden, dass dieser nicht mehr als doppelt so oft den Arzt konsultiert wie sein Schweizer Nachbar. Unnötiges «Ärzteshopping», d. h. bei Krankheit mehrere Ärzte zu konsultieren, und unnötig häufige Konsultationen müssen zu einer höheren Eigenbeteiligung führen.
4. Die Kostenbeteiligung des Versicherten soll ein Anreizmodell enthalten, wodurch die Eigenverantwortung gefördert wird.
Die du-Fraktion ist der Meinung, dass es nicht sein kann, dass der Liechtensteiner Ärztetarif fast durchs Band teurer ist als derjenige im Kanton St. Gallen. Man spricht von 20 bis 30 Prozent! Die Laborkosten brechen bei uns wohl Weltrekorde! Es kann auch nicht sein, dass der Versicherte in Liechtenstein seinen Arzt 9.2 mal pro Jahr aufsucht und sein Nachbar in der Schweiz es gerade mal auf 4 Arztbesuche bringt. Solchen Entwicklungen dürfen wir nicht länger zuschauen. Ansonsten ist die nächste doppelstellige Krankenkassenprämienerhöhung schon jetzt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Harry Quaderer,
du-Fraktionssprecher

Glaube

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter