Leserbrief

Anonyme Attacken von hinten

Urs Kindle,Binzastrasse 51, Mauren | 9. Januar 2014

1. Selbst einem unbedeutenden Schreiberling wie mir sei es erlaubt zu erwähnen, dass ich zu jedem Einzelnen meiner Leserbriefe stehe. Ohne Ausnahme. Und dass ich mich niemals von deren Inhalt distanzieren werde – auch nicht von etwaigen künftigen Leserbriefen. Was ich in der Zeitung veröffentliche, veröffentliche ich niemals leichtfertig oder unüberlegt.
2. Warum diese Aussage? Je ein ehrwürdiger Redaktionsvertreter unserer beiden Landeszeitungen kontaktierte mich – der eine früher, der andere ein paar Monate später – und liess mich Folgendes wissen: Gewisse Leserinnen und Leser hätten sich bei der jeweiligen Zeitungsredaktion bezüglich meiner Leserbriefe beschwert. Diese stiessen sich, so die Erklärung des einen Redaktionsvertreters, an meinen Leserbriefen «aufgrund des sich wiederholenden Inhaltes». Ist es nicht naiv zu glauben, dass Wiederholungen der wahre Grund für Proteste vonseiten gewisser Leser sind …?
3. Hier ein paar Worte an jene (mir unbekannten) Leserinnen bzw. Leser, die aus dem Hinterhalt schies-sen: Macht es Sinn, dass man bei den Zeitungsredaktionen poltert, wenn einem gewisse Leserbriefe nicht in den Kram passen? Ist ein solches Verhalten nicht feig und gar antidemokratisch, da man dadurch auf unrechtmässige Art und Weise Einfluss auf die Zeitungsredaktion zu nehmen versucht? Antidemokratisch, weil man so das Medium der freien schriftlichen Meinungsäusserung bedrängt: Falls solche Poltertaktik Erfolg hat, dann Zensur ahoi. Und feig ist ein solches Verhalten auch deshalb, weil der Leserbriefschreiber nie erfährt, wer sich über seine Zeilen beschwert hat. Und warum konkret.
4. Demokratisch bzw. fair wäre im Falle von Leserbrief-Ärgernissen wohl eine der folgenden drei Varianten des Reagierens:
a) Die veröffentlichten Leserbriefe des (nicht erwünschten) Schreibers erst gar nicht zu lesen, sondern zu ignorieren.
b) Oder den Leserbriefschreiber zu kontaktieren und anständig den eigenen Standpunkt darzulegen – und dabei auch andere Meinungen gelten zu lassen.
c) Oder, falls erwünscht, mittels eines eigenen Leserbriefes auf einen Leserbrief zu reagieren. Mit Anstand und in gutem Ton, versteht sich. Wobei sich die Argumente einzig auf die Sache zu beziehen hätten.
5. Bei den Zeitungsredaktionen gegen Leserbriefe zu poltern, ist destruktiv. Zur Wahrheit hingegen führt, wenn man Leserbrief-Aussagen überprüft, selbstständig recherchiert und «nach innen» geht. Sind Attacken auf Leserbriefe wirklich ein Beweis für die Unwahrheit des Geschriebenen? Die Zukunft wird uns so manche Antwort liefern.

Urs Kindle,
Binzastrasse 51, Mauren

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