Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Wo bleibt der Aufschrei – Geburtenabteilung ja oder nein?

Erich Hasler,Eschen, DU-Abgeordneter | 9. Januar 2014

Nach dem Kommentar von Janine Köpfli («Vaterland», 24.12.2013) zu urteilen, ist die Frage der Souveränität Liechtensteins direkt verknüpft mit der Existenz einer eigenen Geburtenabteilung am Landesspital (LLS). Dabei hat gerade die jüngst veröffentlichte Statistik gezeigt, dass von den insgesamt 357 im 2013 neugeborenen Kindern nur gerade mal die Hälfte das Licht der Welt im Landesspital erblickt haben.
Anstatt sachlicher Argumente bemüht die Autorin Emotionen und hofft insgeheim auf einen Aufschrei aus der Bevölkerung. Dieser ist bisher jedoch ausgeblieben, vermutlich darum, weil weite Kreise der Bevölkerung diese Frage wohl eher nüchtern und sachlich sehen. Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini hat verlauten lassen, dass die Einstellung resp. Zulassung von drei zusätzlichen Gynäkologen die Krankenkassen jährlich mit beträchtlichen Mehrkosten belasten werde. Dies darum, weil die drei Gynäkologen, die ihre Tätigkeit am LLS gekündigt haben, natürlich ihre OKP-Zulassung behalten werden. Wenn drei weitere Gynäkologen angestellt werden, dann wird dies direkt den Prämienzahler belasten!
Bei der Frage «Geburtenabteilung ja oder nein» geht es jedoch nicht nur um finanzielle, sondern auch um sicherheitstechnische Aspekte. Wenn ein Spital eine Geburtenabteilung betreibt, muss es auch eine Operationsbereitschaft rund um die Uhr gewährleisten. Das heisst, dass grundsätzlich immer ein Anästhesist und ein Gynäkologe im Spital anwesend sein müssen oder innert Minuten müssen aufgeboten werden können. Unter Berücksichtigung solcher sicherheitstechnischer Aspekte müsste ein Spital mindestens 500 Geburten im Jahr aufweisen können, so die Aussage von Gesundheitsexperten. Insofern sind mit der Aufrechterhaltung einer Geburtenabteilung also noch weitere Kosten direkt verknüpft.
Was den einzuhaltenden Qualitätsstandard angeht, muss das Landesspital den gleichen bieten können wie das Spital Grabs. Gemäss Eignerstrategie soll das Landesspital einen Qualitätsstandard nach dem «Zürcher Modell» einhalten. Bezogen auf eine Geburtenabteilung heisst dies, dass bei einem Geburtsnotfall ein Operationsteam innert 15 Minuten verfügbar sein muss. Es ist selbstverständlich, dass solche Anforderungen von einem kleineren Spital, wie es das LLS darstellt, kaum zu stemmen sind und wenn, dann nur zu enormen Kosten.
Sachlich gesehen geht es also um die Frage, ob wir – ungeachtet allfälliger Mehrkosten – tatsächlich alles selber machen wollen. Wenn diese Frage mit Ja beantwortet wird, dann darf auch kein Aufschrei aus der Bevölkerung kommen, wenn die Krankenkassenprämien noch rascher steigen. Für eine prosperierende Zukunft des Landes kommt es jedoch weniger darauf an, wo unser Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, sondern vielmehr, dass die Verantwortlichen die richtigen Lösungen im Interesse der Allgemeinheit «gebären».

Erich Hasler,
Eschen, DU-Abgeordneter

Steuergesetz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung