Leserbrief

Liebe, verehrte Missionsfreunde daheim

Bruder Stephan Frommelt,Umtata, Transkei (Südafrika) | 20. Dezember 2013

Nach altbewährter Formel richte ich diesen Weihnachtsgruss an alle Verwandten, Freunde, Wohltäter und an die ganze Bevölkerung in Liechtenstein. Nach glorreichen Ferien in der Heimat bin ich nun wieder «mitten drin»! Das sagt so ungefähr alles. Einen Ansturm von Bittstellern habe ich wohl erwartet, denn es war gerade Schulexamenzeit mit all der Torschlusspanik: «Wenn du das ausstehende Schulgeld nicht bezahlst, wirst du zum Examen nicht zugelassen!» Ein anderer: «Ich kann das Zeugnis nicht kriegen!» Es scheint auch eine erfolgreiche Taktik gewesen zu sein, bei Kaufläden Kredit herauszuschinden, mit der Versicherung: «Wenn der Bruder zurückkommt, wird er bezahlen!» Einer meiner Arbeiter stellte einen «Hinterhofbaumeister» an, um ein bescheidenes Zweiraumhaus aufzustellen. Der Preis, eher bescheiden: Der Baumeister hat seine Familie und brauchte das Geld, aber der Bruder kam zu lange nicht zurück, so kam mein «Freund» mit einem Fakel von der Polizei. Entweder sofort eine gute Teilzahlung oder 1200 Rand Busse oder vier Monate gesiebte Luft.
Es gäbe von solch zwingenden Fällen eine ganze Litanei, die ich Euch nicht zumuten kann. Bei all diesen «Hosenlupfübungen» bin ich am Ende meistens der Verlierer, sodass ich zweimal die Bank überzogen hatte, was an sich gar nicht empfehlenswert ist. Unser Mariannhiller Profinzial nennt meinen Stil ganz treffend «schlechte Geschäftsführung». Ich muss zugeben, ich hatte nie den Ehrgeiz, ein tüchtiger Geschäftsmann zu sein, darum bin ich wirklich ein «hoffnungsloser Fall», wie ich gelegentlich höre. Mein Standpunkt ist: «Lieber ein guter Christ!» Hat Christus irgend einmal gesagt: «Seit vor allem sehr vorsichtig, dass euch niemand über die Ohren haut?» Eher: «Wenn dich einer um einen Kittel frägt, gib ihm einen Mantel dazu!» Was wäre wohl mit dem mittleren Weg? Bezüglich der Werkstatt ist zu sagen, dass wir dort auch nicht unter Langweile leiden, Aufträge mehr als genug, bloss eines ist zu beklagen: Bei dem oben erwähnten Ansturm leiden die Lagerräume an galoppierender Schwindsucht.
Ihr seht also, dass die höchst spannende Unterhaltung hier alle Erwartung übertroffen hat. Ich bin mir wohl bewusst, dass ich Euch einen riesigen Dank schulde, denn Ihr habt ja die wichtige Rolle übernommen, dieses Unternehmen finanziell zu unterstützen. In dieser dankbaren Gesinnung wünsche ich Euch eine frohe und gesegnete Weihnacht, Gottes Schutz und Segen für ein erfolgreiches und friedliches Neues Jahr.

Bruder Stephan Frommelt,
Umtata, Transkei (Südafrika)

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