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Leserbrief

Nach dem Votum das Valium

Amon Marxer,Murasträssle 4, Balzers | 12. Dezember 2013

Dass die DU-Abgeordneten nach dem Grounding des Luftschlosses «Horizon 2020» trotzdem gut werden schlafen können, ist anzunehmen. Ich glaube aber auch nicht, dass der Abgesang auf den Werkplatz Liechtenstein, der nun von der LIHK und der FL angestimmt wird, bei der vom Populismus-Vorwurf noch unbefleckten FBP zu schlaflosen Nächten führen wird. Sollten jemanden angesichts des durch Mark und Bein gehenden Wehklagens doch Zweifel überkommen, muss er sich nur das ausgezeichnete Votum von Elfried Hasler nochmals anzuhören. Da ist fast alles drin, was im BuA fehlt – also fast alles. In den vergangenen Tagen haben wir ja so einiges gehört. Da wurde unter anderem behauptet, jeder (!) in Forschung investierte Franken, generiere sinngemäss einen beeindruckenden Mehrwert (vgl. z.B. BuA Seiten 10 und 20) beziehungsweise «komme mehrfach zurück» (Frank Konrads Votum im Landtag), was etwa so überzeugend ist, wie die Behauptung, Investitionen in Bildung seien immer sinnvoll, egal ob den Schülern davon goldene Bleistifte oder gute Lehrer bezahlt werden.
Für mich persönlich gibt es fast nichts Wichtigeres als Bildung, denn Bildung bedeutet Freiheit – und zwar in vielerlei Hinsicht. Dazu gehört nicht nur die Freiheit von finanziellen Zwängen, sondern unter anderem auch eine grössere Freiheit von Naivität und damit vom uns täglich begegnenden Unsinn. Trotzdem erwarte ich von Landtagsabgeordneten, dass sie auf Stichworte wie «Forschung» oder «Bildung» nicht reflexartig mit Zustimmung reagieren, sondern sich Gedanken zur Kosten-Nutzen-Frage machen. Wenn 13 von 17 Abgeordneten, die eine Wahl haben, also nicht durch Fraktionszwang gebunden sind, sich gegen «Horizon 2020» entscheiden, dann ist das Ergebnis vielleicht auf dem Papier knapp, aber nicht in den Köpfen.
Wenn die FBP, die auf der Grundlage von Fakten entschieden hat, nun vielleicht etwas über den Vorwurf, sie würde Stammtische bedienen, erschrickt, dann kann sie das Wort «Populist» entweder in der Art eines Kompliments lieben lernen, was gar nicht schwer ist, weil dessen Verwendung meist mit der Niederlage des Verwenders und dem Erfolg des Adressaten einhergeht, oder sie kann sich der Ironie der Situation öffnen und darüber lachen: Wenn die LIHK und die FL, die in ihrem Votum zu «Horizon 2020» noch höhere Steuern für die Wirtschaft gefordert hat, nun in trauter Einigkeit jammern, dann ist das fast so, als ob der Wolf und das Schaf sich gemeinsam für das Recht des Schafs einsetzen würden, sich auf der Weide satt zu essen. Der Vergleich hinkt, aber das wird das Schaf auch, wenn der Wolf fertig ist.

Amon Marxer,
Murasträssle 4, Balzers

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