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Leserbrief

Ergebnisoffene Konfliktberatung ist rechtlich möglich

Christoph Jochum, Geschäftsführer «schwanger.li» | 11. Dezember 2013

FBP-Präsident Alexander Batliner wird im «Volksblatt» von 10. Dezember mit der Aussage zitiert, dass eine ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung in Liechtenstein aufgrund des Verbots von Abtreibungen nicht möglich sei. Dem ist nicht so. Die Beratungsstelle «schwanger.li» hat in den vergangenen acht Jahren eine Reihe von Frauen beziehungsweise Paaren in Liechtenstein in einem Schwangerschaftskonflikt legal und ergebnisoffen beraten. Was bedeutet «ergebnisoffen»? Dies bedeutet, die Frau darin zu unterstützen, selbst und ohne Druck von aussen zu einer Entscheidung zu finden, von der sie am ehesten glaubt, sie tragen zu können. Wir sind für die Frau in ihrer Krise da, informieren sie über rechtliche und soziale Fragen, zeigen Unterstützungsmöglichkeiten für ein Leben mit dem Kind auf und denken mit ihr die vorhandenen Alternativen und deren Konsequenzen durch. Aber wir raten nicht aktiv zum Kind oder zum Abbruch. Dies wäre ein beraterischer Kunstfehler, der im Übrigen in hoch ambivalenten Situationen kontraproduktiv wäre.
Wir raten also weder aktiv zum Kind noch zum Schwangerschaftsabbruch. Wir organisieren, finanzieren oder fördern einen Abbruch in keinster Weise. Es liegt daher keine Beihilfe zu einer strafbaren Handlung vor. Ebenso besteht keine Strafbarkeit wegen Unterlassung der Verhinderung einer Straftat, weil diese Bestimmung des StGB erst bei Straftaten greift, die mit mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht sind. Dies ist jedoch bei einem Schwangerschaftsabbruch durch einen Arzt nicht der Fall.
Noch wichtiger als unsere eigene Straffreiheit ist uns der rechtlich garantierte Schutz der Anonymität der Frau, die sich beraten lässt. Dieser ist in unserem Fall gleich dreifach gewährleistet:
1. Als von der Regierung anerkannte Fachstelle für psychosoziale Schwangerenberatung sind unsere Beraterinnen nach dem Gesundheitsgesetz zur Wahrung der Anonymität der Klientin verpflichtet und würden sich bei einem Verstoss strafbar machen.
2. Das Berufsrecht der Psychologinnen, Psychotherapeutinnen und Sozialarbeiterinnen verpflichtet zur strengen Verschwiegenheit, die bei Nichteinhaltung zu einem Berufsverbot führen könnte.
3. Im Falle eines Prozesses gegen eine Frau haben unsere Beraterinnen das Recht, die Aussage zu verweigern. Unsere Beraterinnen können daher rechtlich nicht gezwungen werden, gegen eine Klientin auszusagen.
Einer zweiten Fachstelle für Schwangerschaftskonfliktberatung in Liechtenstein steht also rechtlich nichts im Wege. Aus Sicht der betroffenen Frauen und Paare wäre es wünschenswert, eine Wahlmöglichkeit zu haben.

Christoph Jochum,
Geschäftsführer «schwanger.li»

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