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Leserbrief

Des Goldfischs Zorn

Amon Marxer,Murasträssle 4, Balzers | 4. Dezember 2013

Anlässlich der anstehenden Entscheidung, ob für das Programm «Horizon 2020» fast 35 Millionen Franken ausgegeben werden sollen und ergänzend zu meinem gestrigen Leserbrief: Wenn unsere Vertreter im Landtag von der Regierung nicht ernst genommen werden, so fühle ich mich als Bürger nicht ernst genommen. Ein Beispiel: Im BuA zum Thema steht auf S. 23, dass beim Vorgängerprogramm 85 Anträge eingereicht und davon 11 finanziert worden seien, was zu einem Rückfluss von bisher 5,4 Millionen Euro geführt habe (unbeachtet der Tatsache, dass davon wiederum nur ein Teil an die FL-Projektpartner geflossen ist). Auf S. 51 wird dann prognostiziert, dass für die Rückholung von 32 Millionen Franken (also eines Mehrfachen der o. g. Summe) im Rahmen von «Horizon 2020» – oh Wunder – nur 20 bis 30 Anträge gestellt werden müssten, und – man staunt – jeder 3. Antrag finanziert würde. Wenn man Zahlen schon frei erfindet, sollte man sich aus Respekt vor dem Leser wenigstens ein wenig Mühe geben. Unseren Abgeordneten wird quasi unterstellt, sie seien entweder verantwortungslos (weil sie den BuA vor einer 35-Millionen-Entscheidung nicht lesen) oder hätten das Kurzzeitgedächtnis eines Goldfischs (weil sie sich auf S. 51 schon nicht mehr erinnern, was auf S. 23 stand). Irritation wandelt sich zu Verärgerung, wenn dies einhergeht mit substanzloser Angstmacherei (Arbeitsplatzverlagerung etc.) und die Landtagsabgeordneten – wieder einmal – unter Zeitdruck gesetzt werden (vgl. BuA). Aber auf S. 26 des BuA darf man auch mal lachen, wenn dem Schreiberling die Superlative ausgehen und er selbst «perfekte Rahmenbedingungen» noch «weiter verbessern» möchte. Die wenigen Firmen, welche auf Anfrage pflichtschuldig die Wichtigkeit von «Horizon 2020» betont haben, sollten sich die finanzielle Situation unseres Landes vergegenwärtigen. Wer nach Freibier ruft, ohne sich vorher gefragt zu haben, ob er durstig ist, muss sich später nicht wundern, wenn selbst äusserst wirtschaftsfreundliche Bürger wie ich anfangen, vermehrt laut darüber nachzudenken, ob angesichts steigender Bus-, Auto- und Krankenkassen-Kosten etc. nicht vielleicht eine steuerliche Lastenumverteilung angebracht wäre. Ich denke, die steuerliche Situation in Liechtenstein trägt wesentlich mehr zum Erfolg der heimischen Wirtschaft bei, als ein bürokratisches, ineffizientes EU-Programm, zumal Firmen an diesem (zwar ohne Förderung) trotzdem teilnehmen könnten (vgl. BuA) und regionale Alternativen existieren (z. B. KTI), die mit einem Bruchteil des administrativen Aufwands verbunden sind, einen gezielten, nicht von der EU vorgegebenen Mitteleinsatz ermöglichen und dabei – anders als «Horizon 2020» – nicht mit einem Verlust eines Grossteils der eingesetzten Mittel einhergehen.

Amon Marxer,
Murasträssle 4, Balzers

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