Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

32 Millionen Franken für «Horizon 2020»?

Thomas Rehak (Stellvertretender DU-Abgeordneter), Büchele 15, Triesen | 2. Dezember 2013

Propagandistisch wurde die Bevölkerung in den vergangenen Tagen mit verschiedenen abgedruckten Interviews auf die Wichtigkeit der Teilnahme am Forschungsprogramm «Horizon 2020» hingewiesen. Es wird davon ausgegangen, dass bei geeigneter personeller Ausstattung der NKS mehr als die eingezahlten Mittel nach Liechtenstein zurückfliessen können. Dabei wird ein Vergleich mit der Schweiz angestellt, die in der jüngeren Vergangenheit tatsächlich mehr Geld aus dem EU-Fördertopf erhalten als eingezahlt hat. Man muss jedoch wissen, dass dieser Verdienst ganz wesentlich mit den beiden eidgenössischen technischen Hochschulen zu tun hat (ETH und EPFL), die zu den Besten in Europa gehören und dadurch zwei sehr grosse EU-Forschungsprogramme an Land ziehen konnten. Wir in Liechtenstein haben allerdings keine technische Hochschule. Die Universität Liechtenstein konzentriert sich auf Architektur und Wirtschaftswissenschaften.
Dass die Universität Liechtenstein trotzdem zu den eifrigsten Befürwortern von «Horizon 2020» zählt, hängt damit zusammen, dass diese dann aktiv als Koordinatorin für Projektanträge wirken und eigene Leute in die entsprechenden EU- Gremien entsenden könnte, auch wenn der Fokus der Universität nicht im technischen Bereich angesiedelt ist. Wie bei anderen öffentlichen Institutionen, geht es hier um Budgetmaximierung und nicht um Gewinnmaximierung!
Ziel der Uni Liechtenstein ist es, über die Hintertüre «Horizon 2020» an weitere Gelder heranzukommen, weil die direkten Staatsbeiträge an die Uni Liechtenstein, die sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt haben (aktueller Staatsbeitrag für 2014 bis 2016: insgesamt 14,8 Millionen), immer noch nicht genügen.
Die LIHK gibt an, dass die liechtensteinischen Industrieunternehmen im letzten Jahr 370 Millionen Franken in Forschung und Entwicklung (F&E) investierten (7 Prozent des BIP). Im Vergleich dazu wären die vom Land zu zahlenden knapp 5 Millionen pro Jahr ein Tropfen auf einen heissen Stein (1,35 Prozent von 370 Mio.). Dass genau diese 1,35 Prozent einen so grossen Effekt auf die Entwicklung der liechtensteinischen Wirtschaft haben sollen, ist nicht ganz plausibel. Wenn die Wirkung tatsächlich so positiv und überlebenswichtig für die Industrieunternehmen ist, warum finanzieren sie dann diesen Forschungsbeitrag nicht selbst? Ich meine, eine berechtigte Frage. Sind ja lediglich 1,35% von deren jährlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Schliesslich sind die durch das neue Steuergesetz bewirkten Steuerersparnisse für diese Unternehmen bedeutend höher.
Die Wichtigkeit von Investitionen in Forschung und Bildung ist unbestritten. Man muss sich jedoch vergegenwärtigen, dass die Regierung gleichzeitig bei den Stipendien, Sprachaufenthalten, Schulbusabos etc. spart. Ich bin der Ansicht, dass der Landtag diesen Vorstoss ablehnen sollte. Wirtschaftsförderung ist auch ohne «Horizon 2020» zu haben.

Thomas Rehak (Stellvertretender DU-Abgeordneter), Büchele 15, Triesen

Am Mittwoch

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung