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Leserbrief

«Erwartungen nicht erfüllt»

Yasmin Hainschwang,Auring 20, Vaduz | 26. November 2013

«Am Freitag um 17 Uhr startet Vaduz on Ice mit einem gigantischen Feuerwerk bester Unterhaltung.»: So stand es in der Zeitung geschrieben.

Am Nachmittag sah ich bereits die urchige Hütte mit Herzli in der Tür, richtig «gmögig» – ich war ganz hingerissen. Der Eisplatz – so eine super Idee! Auch die Aktion «Night Shopping» fand ich klasse – jetzt gibt Vaduz mal endlich Gas und stellt was auf die Beine. Meine 8-jährige Tochter nervte mich den ganzen Nachmittag wegen dieses Eisplatzes: «Wann gehen wir endlich hin?» «Wie lang geht’s noch?» Ja, ich muss sagen: Ich freute mich riesig auf diesen Abend, sah mich shoppend in Vaduz flanieren, den Kinderscharen auf dem Eis, lachend und kreischend, zuschauen bei einem feinen Raclette in eben dieser netten und «gmögigen» Hütte … Ja, das wäre ein mögliches Szenario gewesen (jedoch eher in Schaan).
Um 18.30 Uhr betrat ich voller Elan den Ort des Geschehens. Mein Kind (und viele andere Knöpfe in Pudelmützen und dicken Handschuhen) in freudiger Erwartung des Eisfelds – ich tendierte viel eher zur wohligen Hütte mit feinem Käsfondue. Doch auf dem Eis eine einzige kleine Ballerina – ja das können wir ändern, prangt doch in grossen Lettern das Schild «Schlittschuhverleih» über der Herzli-Tür. Also hin mit Kind im Schlepptau – wir mieten jetzt Schlittschuhe. Jäh werde ich von einem Securitas-Mitarbeiter aus meinen aberwitzigen Träumen gerissen: «Da können Sie nicht rein, Verleih gibt’s erst ab morgen.» «Wie bitte» «Heute nur mit eigenen Schlittschuhen …» «Ahaaaa ...». Ich muss nicht betonen, wie enttäuscht meine Kleine war – heulend: «Aber ein paar Kinder dürfen doch auch fahren? Wieso darf ich nicht? Das ist ja so gemein». Ok, also Plan B – Essen: Dann machen wir’s uns halt gemütlich in der netten Hütte. Wir steuern zielstrebig auf die nächste Herzli-Tür zu; abermals ein netter, aber bestimmter Securitas-Mitarbeiter, der mich in meinem Vorhaben bremst: «Heute nur für geladene Gäste.» Vaduz. Die Residenz mit Herz und Seele.
Ich bin dann angestanden in der einzigen engen Raclette-Schlange. Aber nur ’ne Weile. Da muss Alk her, sonst drehe ich durch. Hab ich doch einen Glühwein-Gutschein bekommen! Ah, der gilt hier nicht? … Ok, ich kaufe frustriert Maroni, füttere Kind und mich damit, werfe einen letzten sehnsüchtigen Blick durch die Herzli-Tür ins wohlige Innere der Hütte zu den VIPs, die sich köstlich amüsieren, und laufe kopfschüttelnd nach Hause.
Mein Lichtblick und Grund dafür, dass es mir beim Gedanken an den «Vaduz-on-Ice»-Besuch nicht eiskalt den Rücken runterläuft, war mein Stopp bei City Optik, wohlig warm, in herzlicher Umgebung und noch dazu bei einem Glas Prosecco. Fast wie ein VIP!
Vaduz und sein Marketing. So schade – ich finde dafür keine Worte mehr.

Yasmin Hainschwang,
Auring 20, Vaduz

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