Leserbrief

Urnenbegräbnis?als Chance

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 2. November 2013

Wir Älteren kennen die «übliche» Form des Begräbnisses. Das Abschiednehmen zu Hause war sehr wichtig, aber er ist leider seltener geworden, weil die Toten möglichst schnell eingesargt und in die Totenkammer, bzw. Friedhof-Kapelle gebracht werden.Doch die Urnenbestattung erlaubt sogar ein viel intensiveres Abschiednehmen. Die Urne darf man ja mit in die Kirche nehmen oder in der Abdankungshalle aufstellen. Auch Kreuz, Kerzen, etwas Grabschmuck kann, ja soll man als «Glaubensbekenntnis» daneben stellen. Oft erschrecken nahe Verwandte, die Urne in die Hand zu nehmen; aber für viele ist es ein letztes Ehren- und Liebeszeichen dem/der Verstorbenen gegenüber. Nur einige Beispiele: Eine Mutter sagte: «Jetzt trage ich meine Tochter zum letzten Mal.» Zwei kleine Waisenkinder wollten die Urne immer wieder berühren, um Abschied von der Mama zu nehmen ... Eine junge Frau, die die Urne ihrer Mutter trug, meinte: «Meine Mutter trug mich neun Monate unter ihrem Herzen und dann noch lange auf dem Arm – jetzt darf ich sie tragen.» Ein trauernder Ehemann nahm die Urne mit den Worten: «Ich möchte meine Frau ein letztes Mal umarmen, ihr danken und sie auch um Vergebung bitten, wenn ich sie manchmal gekränkt habe.» Solche Gedanken und Erlebnisse heilen viele Wunden ... Natürlich «muss» kein Verwandter die Urne tragen, er/sie darf es aber. Ergreifend ist für alle, wenn die Kinder auf dem Weg zum Friedhof die Urne ihrer Eltern für eine Wegstrecke einander weiterreichen. Nicht alle wollen «öffentlich» so herzlich Abschied nehmen. Sie dürfen die Urne im «engsten Familienkreis» beisetzen. Der grösste Trost ist der Glaube an das ewige Wiedersehen!

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan

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